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Was sind Negativzinsen?

Im Normalfall zahlt der Kreditnehmer dem Kreditgeber einen Zins. Mit den Negativzinsen kehrt sich dieses Verhältnis um. Nun zahlt der Kreditgeber an den Kreditnehmer. Auch ein Sparer erhält von seiner Bank üblicherweise einen Zins, denn er stellt sein Geld zur Verfügung. Und die Bank kann auf dieser Basis Kredite an Unternehmen vergeben. Negativzinsen bedeuten aber, dass nun der Kunde für seine Einlagen an die Bank Zinsen zahlen muss.

Was sind Negativzinsen

Entstanden ist der Negativzins im Zuge der Finanzkrise. Die Zinsen wurden immer weiter gesenkt, um die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen zu erleichtern. Denn nach der klassischen Finanzlehre fördern niedrige Zinsen das wirtschaftliche Geschehen, ein hoher Zinssatz drosselt die ökonomischen Aktivitäten. Die Zinssenkungen verfehlten aber in der Finanzkrise ihr Ziel, denn die Unternehmen fragten trotz niedriger Zinsen nur wenig Kredite nach.

Als die Zinsen schließlich bei Null waren und die Kreditvergabe immer noch zu wünschen übrig ließ, blieb der Europäischen Zentralbank (EZB) keine andere Wahl, als den Zinssatz niedriger als Null anzusetzen. Die Banken sollten nun Zinsen zahlen, wenn sie ihr Kapital bei der EZB einlagern, statt es als Kredit an die Wirtschaft zu geben.

BIP Wichtig

Zur Zeit zahlen die Banken für ihre Einlagen bei der EZB einen negativen Zins von 0,5 Prozent. In der Folge galt der Negativzins auch für Bankkunden, die Geld bei ihrer Bank angelegt hatten. Allerdings gelten hier Ausnahmen, kleinere Sparbeträge sind nicht betroffen.

Führen bald alle Banken den Negativzins ein?

Führen bald alle Banken den Negativzins ein

Einige Banken verlangen Zinsen auf Spareinlagen, wenn ein bestimmter Mindestbetrag überschritten wird. Im Januar 2020 verlangte die Deutsche Skatbank Zinsen in Höhe von 0,5 Prozent, wenn sich auf einem Girokonto mehr als 100 000 Euro befanden. Ebenfalls 0,5 Prozent berechnet die Volksbank Stendal, wenn auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto 100 000 Euro angelegt sind.

Vorwiegend waren es Raiffeisen- und Volksbanken und einige Sparkassen, die ihrer Kundschaft negative Zinsen in Rechnung stellten. Nach heftigen Protesten der Betroffenen mussten die Maßnahmen allerdings entweder zurückgenommen werden oder die Zinssätze wurden gesenkt. Der Kunde sollte also stets sorgsam prüfen, ob das eigene Geldinstitut Negativzinsen auf Guthaben festgelegt hat. Im öffentlich zugänglichen Preisaushang sind die entsprechenden Angaben zu finden. Auch das Preis-Leistungsverzeichnis im Internet gibt Auskunft über die aktuellen Zinssätze. Laut Auskunft von Verbraucherportalen erheben im April 2020 211 Geldinstitute Strafzinsen.

Gibt es Freibeträge und Ausnahmeregelungen?

Gibt es Freibeträge und Ausnahmeregelungen

In aller Regel gelten Freibeträge. Diese variieren allerdings erheblich. Mal gelten die Negativzinsen ab 5 000 Euro, mal können sogar Beträge in Millionenhöhe freigestellt sein. Nur wenige Institute berechnen Strafzinsen vom ersten Euro an. Allerdings werden sogar von einigen Sparkassen Zinsen auf Guthaben berechnet, allerdings nur bei besonders vermögenden Kunden. Viele Banken arbeiten mit Freibeträgen, etwa 100 000 Euro für jeden Einleger.

Zahlen Banken selbst auch einen Negativzins auf Guthaben?

Zahlen Banken selbst auch einen Negativzins auf Guthaben

Banken hinterlegen immer wieder bis zum folgenden Geschäftstag Kapital bei der EZB. Auch für eine solche Einlagefazilität ist der Zins mittlerweile negativ. Nicht die EZB zahlt also Zinsen an die Bank, sondern sie verlangt Strafgebühren von den Geldhäusern. Dieser Zinssatz dient aber auch der Orientierung, wenn Banken untereinander Geschäfte tätigen, sich gegenseitig beleihen. Der Zinssatz der EZB gilt allgemein als Untergrenze für den Tagesgeldzins am Interbankenmarkt. Die Banken zahlen also Negativzinsen sowohl an die EZB als auch an andere Geldinstitute.

Wie kann man sich vor Negativzinsen schützen?

Wie kann man sich vor Negativzinsen schützen

Zunächst sollte sich der Sparer ein Geldhaus suchen, dass noch keine Negativzinsen berechnet. Mit einem Girokonto-Vergleich lässt sich bestimmt eine Bank finden, die noch keine Negativzinsen verlangt. Das Tagesgeldkonto kann ebenfalls von Strafzinsen betroffen sein. Denn der Zinssatz kann von der Bank jederzeit geändert werden, also auch unter Null fallen. Ein Wechsel des Tagesgeldkontos ist von einem Tag zum anderen möglich. Kündigungsfristen bestehen nicht.

Beim Festgeldkonto ist der Zinssatz bis zum Vertragsende festgeschrieben. Die Bank kann deshalb nicht willkürlich den Zins ändern und plötzlich Negativzinsen verlangen. Endet aber die vereinbarte Laufzeit, kann die Bank einen negativen Zins erheben.

Darüber hinaus gibt es aber andere Anlagemöglichkeiten. Wer sein Geld in Aktien oder ETFs anlegt, bleibt von Zinsforderungen verschont. Auch die Investition in Edelmetalle ist ein Schutz vor Strafzinsen. Gleiches gilt von Immobilien. Hier kann der Anleger von den zur Zeit niedrigen Zinsen sogar zusätzlich profitieren.

Gibt es auch Kredite mit Negativzins?

Gibt es auch Kredite mit Negativzins

Tatsächlich gibt es auch Kredite mit einem Negativzins. Denn das Verhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner hat sich mit der aktuellen Zinspolitik umgekehrt. Nicht mehr der Schuldner hat den Zins zu zahlen, sondern der Gläubiger.

Auf einigen Internetportalen werden deshalb solche Kreditverträge angeboten. Leiht sich der Kunde hier 1 000 Euro, zahlt er bei einem Negativzins von 5 Prozent nur 947,40 Euro zurück. Der Schuldner verdient also, statt dass ihm Kosten entstehen. Die Portale sind aber im eigentlichen Sinne Kreditvermittler, die für Banken Verträge eingehen und sie an diese weiterreichen. Die Verbraucherzentrale bleibt deshalb skeptisch. Sie vermutet, dass hier mehr die Vermittlung von Kundendaten im Vordergrund steht. Nach Informationen von Betroffenen wird von den Portalen ein effektiver Jahreszins von bis zu 12,5 Prozent berechnet.

Was ist die Einlagensicherung?

Was ist die Einlagensicherung

Die Einlagensicherung ist ein Schutzmechanismus für Anleger und Sparer. Er sichert das Vermögen der Betroffenen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit ihres Geldinstituts. Wenn die Bank aufgrund finanzieller Schwierigkeiten die Einlagen der Kunden nicht mehr auszahlen kann, greift die Einlagensicherung. Bis zu einer gewissen Höhe werden dann die Beträge erstattet. Alle Banken in Deutschland sind zur gesetzlichen Einlagensicherung verpflichtet. Zusätzlich bieten einige Institute auf freiwilliger Grundlage Sicherheiten an, die einen noch umfassenderen Kapitalschutz ermöglichen.

In der europäischen Einlagensicherungsrichtlinie (Deposit Guarantee Schemes Directive, DGSD) sind die entsprechenden Vorschriften festgehalten. In den vergangenen Jahren wurde die Richtlinie den EU-Vorgaben regelmäßig angepasst. Zunächst waren bis 2009 Einlagen bis 20 000 Euro mit bis zu 90 Prozent garantiert. Mittlerweile wurden die Regelungen modifiziert. Nun sind 100 Prozent von maximal 100 000 Euro gesetzlich abgesichert. Die Absicherung versteht sich pro Person und Bankinstitut. Das Gemeinschaftskonto eines Ehepaares ist also bis 200 000 Euro geschützt

Zusätzlich sind Forderungen aus Wertpapiergeschäften abgesichert. Hierzu zählen Dividenden und Ausschüttungen, aber auch Verkaufserlöse. Bis zu 20 000 Euro werden zu 90 Prozent von der Einlagensicherung übernommen.

Die Anlage in Wertpapiere ist allerdings keine Einlage bei der Bank, sie wird dort lediglich verwaltet. Sollte es zu einer Insolvenz kommen, können die Papiere einfach einem anderen Institut übertragen werden. Im eigentlichen Sinne ist hier also keine Einlagensicherung nötig. Die Entschädigung tritt nur dann ein, wenn der Anleger seine Wertpapiere verkauft oder ihm Dividenden zustehen und die Bank seinen Forderungen nicht nachkommen kann.


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