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Was ist eine Privatinsolvenz?

Die Privatinsolvenz ist ein Verfahren für Schuldner, die es nicht mehr schaffen, aus eigenen finanziellen Mitteln die angesammelten Schulden bei meistens verschiedenen Gläubigern zurückzahlen zu können.

Was ist eine Privatinsolvenz

Um aus dem Teufelskreis der Schuldenfalle entfliehen zu können, sorgt die Privatinsolvenz, dass mit bestimmten formellen Voraussetzungen nach einer überschaubaren Zahl an Jahren die Restschulden gelöscht und ein neues schuldenfreies Leben gestartet werden kann. Während der Privatinsolvenz wird nur der pfändbare Teil des Einkommens an einen Treuhänder abgeführt und lediglich ein Bruchteil der Schulden zurückgezahlt. Die Privatinsolvenz richtet sich hauptsächlich an Schuldner, welche nicht selbstständig wirtschaftlich tätig gewesen sind.

BIP Vorteil

Selbstständigen steht diese Insolvenz nur dann zu, wenn es keine Forderungen aus Arbeitsverhältnissen gibt und es sich um überschaubare Verbindlichkeiten handelt, was zum Beispiel dann der Fall ist, wenn die Zahl der Gläubiger kleiner als 20 ist.

Vorraussichtliche Dauer

Vorraussichtliche Dauer

Die Dauer einer Privatinsolvenz hängt von verschiedenen Kriterien und vor allem von der Länge der verschiedenen Phasen ab, die im folgenden Kapitel näher betrachtet werden. Der längste Teil gehört der Wohlverhaltensphase mit fünf bis sechs Jahren.

Da vorher aber noch Einigungen mit Schuldnern angestrebt werden, was sehr langwierig sein kann, sollte man grob mit einem Rahmen zwischen fünf und sieben Jahren rechnen.

Ablauf der Privatinsolvenz

Ablauf der Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz lässt sich in klar von einer zu unterscheidende und abzugrenzende Phasen unterteilen, sodass sich der im folgenden aufgeführte Ablauf ergibt:

Außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren

Bevor es überhaupt zum Insolvenzverfahren kommt, muss der Schuldner versuchen, mit allen Gläubigern eine Einigung zu erzielen, wobei immer ein entsprechend fachkundiger Anwalt oder alternativ eine Schuldnerberatungsstelle zu Hilfe genommen werden sollte. In diesem noch außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren werden sämtliche Rückstände ermittelt und ein entsprechender Schuldenbereinigungsplan entwickelt.

Ziel ist es, dass die Gläubiger auf einen Teil der Forderungen verzichten und eine für den Schuldner realistische Ratenzahlung vereinbart wird. Stimmen alle Gläubiger dem Plan zu, kommt es nicht zum gerichtlichen Verfahren und durch die Reduzierung der Schulden und die nicht entstehenden Gerichts- und Insolvenzverwalterkosten ist das die günstigste Option für den Schuldner.

Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren

Stimmt aber nur ein Gläubiger nicht zu, kommt es nicht zu einer außergerichtlichen Einigung und es kann zum Insolvenzantrag kommen. Parallel mit diesem Antrag muss dem Gericht der Schuldenbereinigungsplan und die Beweise für ein Scheitern der außergerichtlichen Einigung vorgelegt werden. Ist es für das Insolvenzgericht erfolgversprechend, wird das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren eröffnet.

Das ist aber selten der Fall, weil man davon ausgehen kann, dass die vorher nicht einverstandenen Gläubiger wohl so schnell ihre Meinung nicht ändern.Daher geht es in der Regel weiter mit dem Insolvenzverfahren.

Gerichtliches Insolvenzverfahren

Gerichtliches Insolvenzverfahren

Hat der Schuldenbereinigungsplan also keine Chance, kommt es zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens eröffnet. In dem Zusammenhang wird ein Treuhänder bestimmt, was durch das Gericht erfolgt, wobei der Schulder auch einen Treuhänder vorschlagen darf.

Dieser wird mit der Verwertung des vorhandenen Vermögens beauftragt. Zur Insolvenzmasse wird all das gezählt, was bei einer Zwangsvollstreckung pfändbar ist.

Wohlverhaltensphase

In der Wohlverhaltensphase wird der pfändbare Anteil des Einkommens an den Treuhänder abgeführt. Eventuelle Erbschaften während dieser Phase werden zur Hälfte an den Treuhänder abgeführt. Die Wohlverhaltensphase wird dann beendet, wenn das Gericht die Restschuldbefreiung beschließt.

Diese Möglichkeit wird nach spätestens sechs Jahren geprüft. Möglich sind auch kürzere Zeiträume, für die aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Für eine Prüfung nach schon fünf Jahren müssen bis zu dem Zeitpunkt sämtliche Verfahrenskosten bezahlt worden sein.

Schon nach drei Jahren kann über die Restschuldbefreiung entschieden werden, wenn mindestens 35 % der Schulden und die gesamten Verfahrenskosten bezahlt wurden. Da dieser Fall sehr selten ist, kommt es in der Regel zum Ende der Wohlverhaltensphase nach fünf oder sechs Jahren.

Restschuldbefreiung

Restschuldbefreiung

Nach den Jahren der Wohlverhaltensphase schaut das Gericht, ob der Schuldner während dieser Zeit seinen Verpflichtungen nachgekommen ist. Ist das der Fall, beschließt das Gericht die Restschuldbefreiung. Ab dem Zeitpunkt verfallen sämtliche Forderungen an den Schuldner, welcher somit schuldenfrei neu starten kann.

Ein neues Verfahren bildet das Insolvenzplanverfahren. Dieses kann angewendet erden, wenn sich zum Beispiel während der Wohlverhaltensphase die Vermögensverhältnisse ändern oder sämtliche Gläubiger zu Verhandlungen bereit sind.

Mit dem neuen Verfahren ist man dann so flexibel genug, dass eine neue Einigung angestrebt und die Insolvenz eventuell vorzeitig beendet werden kann.

Bekanntmachung: So meldet man Insolvenz an

So meldet man Insolvenz an

Der Antrag auf eine Privatinsolvenz erfolgt immer bei zuständigen Amtsgericht. Hierfür sind neben dem Insolvenzantrag dann auch das Gläubiger- und Forderungsverzeichnis einzureichen.

Vorteile & Nachteile

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Bei der Überlegung, ob man die Privatinsolvenz für sich nutzt oder nicht, sollte man immer einen Blick auf die Vor-, aber auch auf die Nachteile werfen.

Vorteile: Die Vorteile liegen zum einen in der Schuldenfreiheit nach der entsprechenden Zeit der Wohlverhaltensphase, also nach drei, fünf oder sechs Jahren. Anderenfalls kann jeder Gläubiger bis zu 30 Jahre lang aus einem entsprechenden Titel Pfändungen vornehmen lassen. Zudem profitiert man, dass es nicht mehr zu unangenehmen Lohn- und Kontopfändungen kommt und auch kein Gerichtsvollzieher an der Haustür auftaucht. Durch die Pfändungsgrenzen ist das Existenzminimum gesichert und ein schuldenfreier Neustart sorgt für mehr Optimismus im Leben.

Nachteile: Als Nachteile sind ohne Frage die lange Dauer der Privatinsolvenz anzusehen und die notwendige Information über die Insolvenz, die zum Beispiel an den Arbeitgeber für die Abflüsse an den Treuhänder im Rahmen der Gehaltsabrechnung fließen muss. Durch das Leben innerhalb der Pfändungsgrenzen sind teure Anschaffungen nahezu unmöglich und beim Konsum muss man überhaupt einschränken, weil Ratenkäufe und Kreditkarten erst einmal der Geschichte angehören. Die bei der Schufa hinterlegte Insolvenz macht es zudem schwierig, eine neue Wohnung zu finden und auch andere Verträge wie Telefon, Internet oder auch für Strom und Gas können nur sehr schwer gewechselt werden. Zudem fallen Gebühren für den Treuhänder und das Gericht an, wobei man dafür aber einen Großteil der Schulden erlassen bekommt, was diesen Nachteil weniger schlimm werden lässt.

Gibt es eine öffentlich einsehbare Namensliste?

Gibt es eine öffentlich einsehbare Namensliste

Privatinsolvenzen werden durch entsprechende Informationen durch das Insolvenzgericht auf der Seite www.insolvenzbekanntmachungen.de im Internet veröffentlicht. Name, Adresse und Geburtsdatum des Schuldners sowie der Stand des laufenden Insolvenzverfahrens werden dort bekanntgegeben, damit sich Gläubiger oder auch mögliche neue Vertragspartner des Schuldners entsprechend informieren können.

Infos zum Selbstbehalt

Infos zum Selbstbehalt

Es gibt grundsätzlich die Pfändungsfreigrenze in Höhe von 1.179,99 Euro. Ist der Schuldner aber noch unterhaltspflichtig, erhöht sich der Betrag mit der Anzahl der unterhaltsberechtigten Personen, wie zum Beispiel auf 1.629,99 Euro bei einem Unterhaltsberechtigten oder auf 1.869,99 Euro bei zwei Unterhaltsberechtigten.


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