Skip to main content

Verschuldungsgrad

Der-Verschuldungsgrad

Der Marktwert eines Unternehmens ist laut dem Modigliani-Miller-Theorem unabhängig von der Finanzierung des Unternehmens. Für den Aktionär spielt der Verschuldungsgrad dennoch eine wichtige Rolle. Die Kennzahl gibt zum einen Auskunft über die Abhängigkeit des Unternehmens von seinen Kapitalgebern und zum anderen kann der Anleger die Kreditwürdigkeit und die Insolvenzgefahr der börsennotierten Firma besser einschätzen.

BIP Vorteil

Wichtig: Im Gegensatz zum KGV, KCV &KUV (Ertragskennzahlen) und dem KBV (Substanzkennzahl) handelt es sich beim Verschuldungsgrad um eine relative Kennzahl der Liquiditätsanalyse.

Der Verschuldungsgrad (Dept-Equity-Ratio) wird errechnet, indem das Fremdkapital durch das Eigenkapital eines Unternehmens geteilt und mit 100 multipliziert wird. Das Ergebnis wird in Prozent angegeben. In manchen Fällen wird das Zwischenergebnis nicht mit 100 multipliziert. Das Ergebnis kann dann wie folgt gelesen werden. Ein Verschuldungsgrad von 0,5 bedeutet, dass 50 Cent an Schulden einem Eigenkapital von 1 Euro gegenüberstehen.

Verschuldungsgrad Formel

Die Berechnung des Eigen- und Fremdkapitals stellt für viele Anleger ein Hindernis dar. An dieser Stelle wird die Berechnung aufgegriffen, allerdings wird Ihnen am Ende des Kapitels gezeigt, wo Sie den bereits berechneten Verschuldungsgrad zum Unternehmen einsehen können.

Eigenkapitalrendite Eigenkapital ermitteln

Der Verschuldungsgrad bietet dem Anleger viele Vorteile, allerdings muss bei der Anwendung auch etwas beachtet werden. Die Kennzahl sagt nichts über die Rentabilität eines Unternehmens aus. Im Gegenteil: In manchen Fällen wird von Gesellschaften bei der Gestaltung der optimalen Kapitalstruktur eine hohe Verschuldungsquote angestrebt. Liegt die Rentabilität des Gesamtkapitals über den Zinssatz für das Fremdkapital wirkt sich die Aufnahme neuer Schulden positiv auf die Rentabilität des gesamten Kapitals aus.

Der Verschuldungsgrad in der Praxis

Viele Analysten und Wissenschaftler sind bei der Auswertung Ihrer Forschungsergebnisse zu dem Entschluss gekommen, dass es einen optimalen Verschuldungsgrad nicht gibt. Dem Anleger sollen folgende Erfahrungswerte trotzdem die Interpretation der Kennzahl erleichtern.

1.

Der Verschuldungsgrad eines Unternehmens sollte nicht über 200 Prozent liegen. Sicherheitsorientierte Anleger legen bei der Auswahl einer Aktie ein Verschuldungsgrad von höchstens 100 Prozent fest. Nicht so kapitalintensive Branchen wie die Softwareindustrie sollten hingegen höchstens einen Verschuldungsgrad von 50 Prozent besitzen.

2.

Ein über Jahre ansteigender Verschuldungsgrad kann auf einen baldigen Konkurs der Firma hindeuten. Aus diesem Grund sollte der Anleger die Entwicklung des Verschuldungsgrades immer im Auge behalten.

3.

Die Kennzahl sollte vorrangig bei Industrie- und Dienstleistungsunternehmen angewendet werden. Finanztitel hingegen sollten nicht nach dieser Kennzahl beurteilt werden. Bei Banken und Versicherungen spielt die Eigenmittelausstattung eine wichtigere Rolle.

4.

Junge Unternehmen weisen in der Regel einen höheren Verschuldungsgrad auf.

5.

Die Kennzahl darf niemals isoliert betrachtet werden. Zur Entscheidungsfindung muss der Verschuldungsgrad mit Ertrags- oder Substanzkennzahlen kombiniert und im Branchenvergleich betrachtet werden.

Mit steigendem Verschuldungsgrad könnte der Anleger annehmen, dass das Unternehmen tendenziell höhere Kosten zur Befriedigung der Informationsbedürfnisse der Gläubiger aufweist. Die Fremdkapitalgeber sind bei relativ hohen Verschuldungsquoten ständig an Informationen über die zukünftigen Entwicklungen der Firma interessiert. Die Frequenz der Berichtserstattung müsste deshalb bei hoch verschuldeten Unternehmen zunehmen. Frings untersuchte diesen Zusammenhang und kam zum Ergebnis, dass zwischen der Prognosepublizität und dem Verschuldungsgrad kein signifikanter Zusammenhang besteht.  Banken geben überwiegend Kredite an börsennotierte Unternehmen aus und die Institute haben bessere Informationsquellen als die Fakten aus einer Meldung des Unternehmens.

Der Verschuldungsgrad ist ein fester Bestandteil einer jeden Aktienanalyse. Ein hoher Verschuldungsgrad hat höhere Zinsen zur Folge und kann auf eine sich anbahnende Insolvenz hindeuten. Die Kombination mit anderen Kennzahlen ist bei dem Dept-Equity-Ratio besonders wichtig, da der Verschuldungsgrad noch kein eindeutiges Indiz für oder gegen ein Unternehmen ist.

Der Verschuldungsgrad: Die Beispiel AG

Das Eigenkapital der Beispiel AG beläuft sich auf 50 Millionen Euro. Dritten gegenüber besitzt die Firma Schulden in Höhe von 30 Millionen Euro. Diese Werte wurden bereits beim Beispiel zum Kurs-Buchwert-Verhältnis ermittelt.

BIP Vorteil

Wichtig: Der Verschuldungsgrad der Beispiel AG lässt sich nun ganz einfach durch die Division der Werte 50 und 30 errechnen. Anschließend muss das Ergebnis mit 100 multipliziert werden. Der Verschuldungsgrad liegt bei 60 Prozent. Einem Euro an Eigenkapital stehen 60 Cent Schulden gegenüber.

Für den Anleger würde die Höhe des Debt-Equity-Ratio bedeuten, dass er die Aktie weiterhin beobachtet, beziehungsweise näher analysiert und unter Hinzunahme weiterer Kennzahlen eine Entscheidung fällt.

„Ein Unternehmen ist sozial, wenn es Gewinne macht.“ Heinz Otto Dürr


Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!