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Symmetrisches Dreieck

Symmetrisches-Dreieck

Das symmetrische Dreieck bildet zusammen mit dem aufsteigenden und dem absteigenden Dreieck die große Gruppe der Dreiecksformation. In der Literatur wird auch häufig vom „symmetrical Triangle“ oder „Coli“ gesprochen.

BIP Vorteil

Wichtig: Was sich hinter dem Begriff „Coli“, zu Deutsch „Sprungfeder“ verbirgt, wird im Verlaufe des Kapitals erklärt.

Das symmetrische Dreieck gehört zu den Konsolidierungsformationen. Innerhalb eines Trends kommt es zu einer Verschnaufpause, welche von Kursrückgängen und Kurserholung geprägt ist. Anschließend wird der Trend entweder fortgesetzt oder umgekehrt. Welche Richtung der Kurs bei Beendigung der Formation einschlägt, kann erst nach einem Ausbruch gesagt werden.

Symmetrische Dreieck-Chart-Erklärung

Die Kursfluktuationen innerhalb des symmetrischen Dreiecks spiegeln die Unentschlossenheit und den Zweifel der Anleger wieder. Die Investoren wissen nicht, ob sie ihre Positionen verkaufen oder aufstocken sollen. Aus diesem Grund lassen sowohl der Käufer- als auch der Verkaufsdruck innerhalb der Formation nach. Eine fallende Umsatz-Aktivität ist typisch für Konsolidierungsmuster.

Das Dreieck wird durch eine obere und untere Linie begrenzt. Damit in der Charttechnik von einem Trend oder einer Linie gesprochen werden kann, bedarf es mindestens zweier Berührungspunkte. Folglich besteht das symmetrische Dreieck mindestens aus zwei Hoch- und zwei Tief-Punkten. Das letzte Top liegt unterhalb des vorangegangenen Tops. Der letzte Bottom befindet sich oberhalb des vorangegangenen Tiefs. Im Idealfall verlaufen die beiden Linien symmetrisch zur gedachten Mittellinie und treffen sich in der Spitze, dem Apex. Die Symmetrie und der daraus resultierende gleiche Neigungswinkel der beiden Linien sollte nicht überschätzt werden. Ein annährend symmetrisches Dreieck ist, zur Generierung von Chartsignalen vollkommen ausreichend.

Wie eine Sprungfeder faltet sich der Kurschart im Dreieck zusammen, um dann im zweiten Drittel bis dritten Drittel aus der Formation auszubrechen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass ein Ausbruch an Aussagekraft gewinnt, wenn er innerhalb eines fast fertigen Dreiecks stattfindet. In der Nähe der Spitze nimmt die Anzahl der Fehlausbrüche sogar zu, denn bei sinkender Umsatz-Aktivität können bereits kleine Aktionen (Käufe/Verkäufe) von Marktteilnehmern zur Beeinflussung der Kurse führen. Es ist deshalb ratsam, dass Ausbrüche von fast fertigen Dreiecken nicht gehandelt werden.

Der Ausbruch aus dem Dreieck geht mit einem steigenden Volumen einher. Findet ein Breakout unter geringem Volumen statt, erhöht sich ebenfalls die Wahrscheinlichkeit eines Fehlausbruchs.

BIP Wichtig

Wichtig: Nicht selten kommt es nach dem Breakout zu einem „Throwback“ oder „Pullback“. Nach dem Breakout bewegt sich der Kurs in Richtung des Ausbruchs und fällt/steigt wieder bis zur oberen/unteren Begrenzung des Dreiecks. Anschließend wird der Trend fortgesetzt.

Im nächsten Abschnitt wird eine Studie zum symmetrischen Dreieck ausgewertet und kommentiert. Darin werden wichtige Erkenntnisse für den Anleger dargestellt und aufbereitet.

Das symmetrische Dreieck als Handelssystem

Auf die Erkenntnisse von Thomas N. Bulkowski wurde bereits öfter in diesem Buch zurückgegriffen. Bulkowski ist einer der wenigen Autoren, der seine Studien nach wissenschaftlichen Standards durchführte und dabei einer klaren und nachvollziehbaren Methodik folgte. In seinem Standardwerk „Encyclopedia of chart patterns“, welches von Horst Fugger ins Deutsche übersetzt wurde, wertete er auf Grundlage von einer fünfjährigen Datenbasis rund 15.000 Chartmuster aus. Die Datenbasis bestand aus 500 Aktien, welche im Zeitraum von Mitte 1991 bis Mitte 1996 untersucht wurden. In die Auswahl wurden liquide und nicht zu volatile Aktien aufgenommen, beispielweise aus dem Dow Jones.

Aktien innerhalb der Betrachtungsperiode mit einem Preis von unter einen US-Dollar wurde aus der Datenbank entfernt.

Im Kapitel zum Umkehrmuster Hammer wurde ein Chart zum S&P 500 dargestellt. Aus dem Chart lässt sich entnehmen, dass sich der Index zwischen 1991 und 1996 in einem Bärenmarkt befand. Es ging konsequent gen Norden. Das hat einen Einfluss auf die Ergebnisse, denn im übergeordneten Bullenmarkt sind bullische Signale erfolgreicher. Ausbrüche nach oben generieren weniger Fehlsignale, denn sie finden nicht entgegengesetzt der vorherrschenden Marktstimmung statt.

Der ehemalige Ingenieur und Buchautor unterschied in seinem Werk zwischen Dreieck Bottoms und Dreieck Tops. Die Dreieck Bottoms treten innerhalb eines Abwärtstrends und die Dreieck Tops innerhalb eines Aufwärtstrends auf. Das vorangegangene Beispiel der Beiersdorf AG wird der Kategorie Dreieck Tops zugeordnet.

Symmetrische Dreieck Performance

Insgesamt wurden mehr Dreiecke während eines Aufwärtstrends, als innerhalb eines Abwärtstrends gezählt. Diese Beobachtung ist auf die Hausse im S&P 500 zurückzuführen.

Bulkowski legte in seinen Backtests fest, dass wenn ein Ausbruch nicht um fünf Prozent steigt (Ausbruch nach oben) oder fällt (Ausbruch nach unten) es sich um ein Fehlsignal handelt. Das Zulässigkeitskriterium legte er mit 20 Prozent fest. Die Ausbrüche in den Dreiecken scheitern folglich nur sehr selten an der fünf-Prozent-Hürde. Im Vergleich zu anderen Formationen stellt das ein sehr gutes Ergebnis dar.

häufigkeitsverteilung der gewinne

Im Durchschnitt legte der Kurs nach einem Ausbruch nach oben im Dreieck-Boden einen Anstieg von 41 Prozent zurück. Im Dreieck-Top waren es immerhin 37 Prozent. Das abgebildete Diagramm zeigt deutlich, dass ein Kursanstieg von 20 Prozent bei beiden Dreiecken am wahrscheinlichsten ist, denn dort ist die Säule der Häufigkeitsverteilung am höchsten. Der starke Anstieg von Gewinnen mehr als 90 Prozent ist dadurch zu erklären, dass fortan nicht mehr in Zehner-Schritten gezählt wurde.

Die Daten helfen dem Trader dabei das Kursziel richtig nach dem Auftauchen der Formation festzulegen. Wenn im Aufwärtstrend ein Dreieck-Top auftaucht und ein Ausbruch nach oben stattfindet, können bei einer Kursrally von zwanzig Prozent die ersten Gewinne mitgenommen werden. In diesem Fall muss auf das Marktumfeld geachtet werden, da sich der S&P 500 als Indikator für die Marktstimmung während des Backtests in einer Hausse befand.

häufigkeitsverteilung der verluste

Tritt im Abwärtstrend ein Dreieck-Boden auf, dann fällt der Kurs durchschnittlich um 19 Prozent. Am wahrscheinlichsten ist ein Kursrückgang von 10 Prozent. Einen Ausbruch „nach unten“ zu handeln kann gefährlich sein. 62 Prozent der Kursrückgänge betrugen maximal 20 Prozent. Daraus schlussfolgerte Bulkowski richtig, dass die Fortsetzung des Abwärtstrends nur von kurzer Dauer war.

Sich nach einem Ausbruch nach unten im Dreieck Top „short“ zu positionieren wäre nicht ratsam, denn bei 77 Prozent der Ausbrüche fielen die Kurse höchstens um 25 Prozent. Anschließend stieg der Kurs wieder an. Am wahrscheinlichsten ist ein Kursrückgang von 15 Prozent. Der durchschnittliche Kursrückgang lag bei 20 Prozent. Im Bärenmarkt wären die Kursrückgänge höher ausgefallen.

Die beiden hier aufgeführten Häufigkeitsverteilungen belegen, dass im Bullenmarkt sich die Kurse nach einem Kursrückgang schneller wieder erholen als im Bullenmarkt. Die Chance auf höhere Gewinne erhöht sich, wenn der Trader in Richtung der allgemeinen Marktrichtung handelt. Die von Bulkowski ausgewählten Unternehmen stammten zum Beispiel aus dem Dow Jones. Ein Index steigt nur, wenn die darin enthaltenden Titel auch steigen. Wenn sich der Markt in einem positiven Umfeld befindet, dann ist die Stimmung gut und das hat zur Folge, dass die Kurssteigerungen überwiegen. Wäre das nicht so, würde der Index fallen und es müsste von einer Baisse gesprochen werden.

Wenn Sie mithilfe der fundamentalen Kennzahlen eine solide Aktie gefunden haben und der Markt bullisch ist, dann lohnt es sich, nach symmetrischen Dreiecken Ausschau zu halten, wo der Kurs demnächst nach oben ausbricht. Das ist das Timing für den Einstieg.

Symmetrische Dreieck Backtest Ergebnisse Ausbruch

Nach einem Ausbruch kann der Anleger nicht auf einen Throwback oder Pullback spekulieren, denn die Wahrscheinlichkeiten dafür liegen in der Nähe des Zufalls. Es bietet sich aber anschließend immer eine neue Einstiegschance. Ein Pullback tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 59 Prozent am wahrscheinlichsten im Dreieck Top bei einem Ausbruch nach unten auf. Nach elf bis dreizehn Tagen sind diese Kursbewegungen fertiggestellt und dementsprechend kann sich der Trader für einen Einstieg positionieren.

Die gezeigten Daten untermauern die These der gewinnbringenden Trades in der Nähe eines Jahreshochs. 71 Prozent der Ausbrüche nach oben beim Dreieck Top fanden in der Nähe des 12-Monats-Hochs statt. Gleichzeitig erreichten diese Ausbrüche mit 40 Prozent den höchsten Kursanstieg.  Dass es für den Anleger besser ist sich nicht gegen den Trend zustellen, beweisen die Tage bis ein neues Hoch oder Tief erreicht wurde. Die Erreichung eines neuen Hochs dauerte mehr als doppelt so lang, als die Markierung eines neuen Tiefs. Bricht der Kurs innerhalb eines Dreieck Tops nach unten aus, dauert die Talfahrt im Durchschnitt 70 Tage. Die Bullen kehrten folglich schneller wieder zurück, als die Bären im Aufwärtstrend.

Symmetrische Dreieck Umsätze

Der Umsatz nimmt beim Trading eine elementare Rolle ein. Um Fehlsignale zu identifizieren, sollten Sie sich die obenstehende Tabelle in Ruhe anschauen.

Die Ergebnisse von Bulkowski belegen die häufig von Tradern pauschal formulierte Aussage des sinkenden Umsatzes innerhalb der Formation. Der Anstieg des Umsatzes am Tage des Ausbruchs gegenüber dem Vortagesumsatz konnte bei beiden Arten des symmetrischen Dreiecks belegt werden. Bricht der Kurs in einem Dreieck-Boden nach unten aus, steigt der Umsatz mehr als verdoppelt so stark an, als der Vortagesumsatz. Die empirische Untersuchung von Bulkowski stütz die Annahme, dass der Kurs nach einem Ausbruch unter hohen Umsätzen eine höhere Performance erreicht. Handeln Sie nicht jeden Ausbruch, sondern nur Breakouts, welche unter hohen Umsätzen stattfinden.

Das symmetrische Dreieck in der Praxis

Symmetrische Dreiecke treten in den Aktiencharts nicht sehr häufig auf. Im nun folgenden Beispiel bildete sich nach einer wochenlangen Abwärtsbewegung Ende 2011 im Chart der Commerzbank ein Dreieck-Boden heraus. Normalerweise muss von einer Trendfortsetzung ausgegangen werden. Das Beispiel zeigt allerdings, dass nach einer 51-tägigen Konsolidierungsphase der Kurs nach oben Ausbricht und somit eine Trendumkehr einleitet.

Symmetrische Dreieck-Chart-Commerzbank

Im Chart wird am neunten Januar 2012 ein Fehlsignal generiert. Hätte sich ein Trader nach dem Bruch der unteren Dreieck-Linie short positioniert, wäre sein Trade nicht aufgegangen. Es ist wichtig, dass die nächste Kerze als Bestätigungssignal abgewartet wird. Hätte die Aktie am nächsten Tag unterhalb der Unterstützung eröffnet, wäre ein Einstieg sinnvoll gewesen. Der Ausbruch fand außerdem unter schwachen Volumen statt, was bereits auf einen False-Breakout hinwies.

Innerhalb des Dreiecks sank das Volumen stetig, bis es am zehnten Januar anfing zu steigen. Der Ausbruch unter hohen Volumen fand am elften Januar statt. Bestätigt wurde der Breakout einen Tag später durch ein Eröffnungs-Gap und einer bullischen Kerze. Die Kurse wurden damals von den Meldungen getrieben, dass die Commerzbank keine weiteren Staatshilfen benötige um eine Kapitallücke von über fünf Milliarden Euro zu schließen.

BIP Wichtig

Wichtig: Um das Kursziel zu bestimmen, wird die Strecke AB auf den Ausbruchspunkt C projiziert. Bei der Commerzbank hätte sich daraus ein Kursziel von 1,80 Euro ergeben. Tatsächlich schaffte es der Kurs am 24. Januar auf 2,01 Euro anzusteigen. Das entspricht einer Performance von 53,67 Prozent.

Aus Bulkowski‘s Untersuchung ging ein durchschnittlicher Gewinn von 41 Prozent und eine wahrscheinliche Rendite von 20 Prozent hervor. Im aufgeführten Beispiel lag die Performance also deutlich darüber. Bis zum neunten Februar 2012 stieg der Kurs noch bis auf 2,207 Euro an, bis der Sinkflug wieder einsetzte.

Seit dem Ausbruch bei 1,308 Euro legte der Kurs eine Strecke von 68,73 Prozent zurück. Einen Stopp-Kurs hätte der Anleger knapp unterhalb des letzten Hochs im Dreieck bei 1,30 Euro setzen können. Auf die Hinzunahme von anderen Indikatoren wurde in diesem Beispiel verzichtet, damit das Chartbild nicht zu unübersichtlich wird.

Die Grundlagen zum Traden mit Dreiecken wurden in diesem Kapitel gelegt. Im Folgenden werden das auf- und absteigende Dreieck ausführlich behandelt.

„Verfolgt keine Charts, sondern seine Gewinne.“ Warren Buffett


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