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MACD

MACD

Im Jahre 1979 entwickelte der Vermögensverwalter und Buchautor Gerald Appel den MACD (Moving Average Convergence/Divergence).

Ein Jahr zuvor wurde im Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“ erstmalig der RSI vom Schöpfer Welles Wilder Junior erwähnt.

Viele Indikatoren der ersten Generation wurden in dieser Zeit entwickelt, da Hewlett Packard 1978 die ersten wissenschaftlich programmierbaren Taschenrechner auf den Markt brachte. Der Indikator kann sowohl den Trendfolgern als auch den Oszillatoren zugeordnet werden.

Ein Oszillator im Sinne der Definition ist beispielsweise der Relative Strength Index, welcher im Verlauf des Buches noch behandelt wird. Der RSI oszilliert um eine Mittellinie und bewegt sich in einer Skala zwischen 0 und 100. Werte unter 30 werden als überverkauft und über 70 als überkauft bezeichnet.

BIP Vorteil

Wichtig: Über eine solche Skala verfügt der MACD zwar nicht, trotzdem stufen Experten eine weite Distanz von der Nulllinie als überkauft oder -verkauft ein.

Gerald Appel selbst unterstreicht die Vielfältigkeit des Indikators, indem er darauf hinweist, dass der MACD zur kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Chartanalyse herangezogen werden kann.

MACD-Chart-Deutsche-Bank

In der Abbildung ist unten das MACD-System dargestellt. Es besteht aus zwei visuell sichtbaren Linien, der schnellen MACD-Linie und der langsameren Trigger-Linie.

Zur Berechnung des Indikators werden jedoch drei exponentiell gleitende Durchschnitte herangezogen. In den Abschnitten zuvor wurde die Herangehensweise zur Ermittlung eines EMAs bereits ausführlich behandelt und aus diesem Grund soll an dieser Stelle nur die Formel des Indikators angeführt werden.

MACD ermitteln

Die Standardparameter für den MACD sind ein EMA auf Basis auf 12 Tagen und ein EMA auf Basis von 26 Tagen. Die Differenz aus den beiden exponentiellen gleitenden Durchschnitten ergibt die MACD-Linie. In Chartprogrammen wird diese meistens schwarz oder rot dargestellt.

MACD Trigger berechnen

Die Triggerlinie wird auch als Signallinie bezeichnet und meistens grün eingefärbt. Ein Kreuzen der Linie durch den MACD bildet die typischen Kauf- und Verkaufssignale. Zur Ermittlung der Signallinie wird ein exponentiell gleitender Durchschnitt über neun Tage oder Wochen vom MACD verwendet.

BIP Wichtig

Wichtig: In dem Chart der Deutschen Bank zur Veranschaulichung des MACD-Indikators befindet sich ein Histogramm. Die senkrechten Balken verlaufen entweder über oder unter der eingezeichneten Nulllinie entlang.

Das Histogramm visualisiert die Differenz zwischen der MACD-Linie und der Trigger-Linie.  Verläuft die MACD-Linie oberhalb der Signallinie, dann befindet sich der jüngste Balken im positiven Bereich, also oberhalb der Nulllinie. Unterhalb der Nulllinie befindet sich der Balken des Histogramms, wenn die Triggerlinie oberhalb der MACD-Linie verläuft.

Die Konstruktion des Histogramms enthält wichtige Informationen für den Anwender. Welche konkreten Handelsentscheidungen daraus abgeleitet werden können, wird im letzten Teil zum MACD gezeigt. Vorher soll der MACD als Handelssystem getestet werden.

Der MACD als Handelssystem

In diesem Abschnitt soll als erstes auf die Ergebnisse zum MACD als Handelssystem von Carsten Zimmer hingewiesen werden.

Bereits beim Simple Moving Average wurde die Vorgehensweise vom Researchmanager der Deka Investment GmbH erläutert. Getestet wurde der Indikator im Zeitraum vom 14. Dezember 1999 bis 19. Juli 2002 im Deutschen Aktienindex.

In der Periode führte das System mit den Standardparametern (26,12 und 9 Tage) 40 Trades durch.

Hätte der Anleger kontinuierlich die erwirtschafteten Gewinne herausgezogen, so hätte dieser nach 500 Börsentagen eine Rendite von etwas mehr als 0,1 Prozent erwirtschaftet. Das Depot hätte zwischenzeitlich eine Drawdown-Phase von knapp 0,2 Prozent gehabt.

Das Ergebnis der Take-Out-Strategie ist nicht sonderlich erfreulich und beweist, dass das Handeln eines Indikators nicht ratsam ist. Wenn der Anleger die erwirtschafteten Gewinne wieder reinvestiert hätte, dann hätte das Depot am Ende der Studie eine Performance von etwas mehr als einem Prozent ausgewiesen.

Herr Zimmer testete den Indikator auch auf simulierte Finanzreihen und dort stellte sich heraus, dass das konsequente reinvestieren der Gewinne zu einer höheren Performance führt.

Ein ähnliches Ergebnis wurde wie zuvor besprochen beim Backtest auf dem DAX erzielt. Die Strategie erwirtschaftete über den betrachteten Zeitraum eine Rendite von mehr als 1,1 Prozent. Die Take-Out-Variante erzielte eine Performance von knapp 0,2 Prozent.

Das Resümee der Studie lautet, dass mit Hilfe des Moving Average Convergance/Divergance keine Überrendite gegenüber dem DAX erzielt werden kann. Eine isolierte Betrachtung des Indikators ist nicht zu empfehlen.

BIP Wichtig

Wichtig: Andere Studien kamen ebenfalls zum Ergebnis, dass der MACD als isoliertes Handelssystem nicht funktioniert. In einem Test über zehn Jahre wurde jährlich eine Performance von minus 7,75 Prozent erwirtschaftet.

In dem von mir durchgeführten Test konnte eine Rendite zum 01.08.2012 von 3.000 Prozent nachgewiesen werden. Das MACD-System wurde mit seinen Standardparametern auf den Realtime Indikationen der Deutschen Bank zum Deutschen Aktienindex angewendet.

Das System war permanent im Markt engagiert und die Long- und Short-Signale wurden in einem 60 Minuten Chart generiert.

In klaren Auf- und Abwärtstrends erzeugte der MACD sehr gute Signale.

Die isolierte Betrachtung des Indikators ist dennoch mit Vorsicht zu genießen, denn wäre der Test nur fünf Monate später Mitte November 2011 durchgeführt worden, müsste der Anleger einen Verlust und Drawdown-Phasen von über 600 Prozent hinnehmen.

MACD-Handelssystem-Endgültig

Peter Forbig und Horst Günther fassten im Begleitwerk zum Business Informatics Research in Rostock einige Backtesting-Ergebnisse zum MACD zusammen.

BIP Vorteil

Wichtig: Getestet wurde die MACD-Strategie im Zeitraum vom Dezember 1997 bis Dezember 2009. Es wurden jeweils 10.000 US-Dollar in verschiedene Rohstoffe investiert.

Als erstes wurden die Basiswerte mit den Standardparametern getestet. Im Anschluss wurden zum jeweiligen Rohstoff die optimalen Einstellungen mithilfe weiterer Untersuchungen herausgesucht.

Besonders beeindruckend waren die Ergebnisse zu den angepassten Parametern der MACD-Strategie beim Lebensmittel Kakao. Nach zwölf Jahren erwirtschaftete der Indikator in seinen Standardeinstellungen lediglich 3958,41 US-Dollar. Beim Backtest wurden keine Kommissionen berücksichtigt.

Die neue Konfiguration der Parameter führte dazu, dass die Jährliche Rendite von 2,88 Prozent auf 11,81 Prozent anstieg. Eine Anpassung der Konfiguration des MACD-Systems ist dem Anleger somit anzuraten. Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse im Detail.

MACD Backtest Kakao

Der Moving Average Convergence/Divergence erzeugt für den Anleger nicht nur konkrete Kauf- und Verkaufszeitpunkte, sondern der Indikator kann auch zur Beurteilung einer Trendumkehr und der Trendstärke herangezogen werden. Als erstes sollen die typische Handelssignale behandelt werden.

Von besonders großer Bedeutung sind die Schnittpunkte der Trigger- und der MACD-Linie weit unter- oder oberhalb der Nulllinie. Kreuzt die MACD-Linie die langsamere Signallinie von unten nach oben entsteht ein Kaufsignal. Je weiter die Entfernung zur Nulllinie ist, desto aussagekräftiger ist das Buy-Signal.

BIP Wichtig

Wichtig: Für ein Verkaufssignal muss sich das MACD-Konzept weit oberhalb der Mittellinie befinden und die MACD-Linie den Trigger von oben nach unten durchbrechen.

Kaufsignale oberhalb und Verkaufssignale unterhalb der Mittellinie werden nicht gehandelt. Während einer Seitwärtsbewegung findet der Trendfolger keine Anwendung, denn in solchen Phasen ist der MACD sehr fehleranfällig.

In starken Abwärtstrends nimmt die Volatilität (Schwankungsbreite) eines Wertpapiers zu. Während eines Aufwärtstrends ist der Markt nur halb so volatil wie im Abwärtstrend. Gerald Appel empfiehlt deshalb in einer Phase des Aufschwungs einen langfristigen MACD für Verkaufssignale und einen kurzfristigen MACD für Kaufsignale zu nutzen. Das hat den Vorteil, dass der Händler innerhalb einer Konsolidierungsphase verbunden mit kleinen Abschwüngen nicht sofort aus dem Markt geworfen wird, weil ein kurzfristiger MACD sehr sensibel auf Kursänderungen regiert und schnell das entsprechende Signal zum Verkaufen der Position generieren würde. Im nächsten Chart wird die Vorgehensweise von Herrn Appel anhand zweier MACD-Systeme (12, 26, 9 und 44, 102, 32) veranschaulicht.

Der MACD und die Divergenz-Analyse

MACD- nach Appel

Mitte September 2011 generiert das kürzere MACD-System (12, 26, 9) im Chart der Deutschen Bank ein Kaufsignal. Der Kurs stand zu diesem Zeitpunkt ungefähr bei 24 Euro. Bereits Anfang November hat das gleiche MACD-System im Aufwärtstrend ein Verkaufssignal erzeugt, welches aber nach der Idee vom Erfinder des Indikators nicht gehandelt wird. Der Anleger wäre erst im April 2012 zu Kursen von knapp 34 Euro aus der Deutschen Bank ausgestiegen.

Das Kaufsignal generierte das langsamere Konzept erst später, da es resistenter gegen Kursschwankungen ist. In diesem Beispiel hätte der Trader problemlos am Aufwärtstrend der Aktie partizipieren können und einen ordentlichen Profit erwirtschaftet. Die Signifikanz der Signale weit entfernt von der Nulllinie wurde im Beispiel bewiesen.

Das Histogramm des Indikators kann neben der typischen Divergenz-Analyse, welche anschließend ausführlich behandelt wird wichtige Hinweise auf eine bevorstehende Trendumkehr geben.

Steigen der Kurs eines Wertpapiers, die MACD-Linie und der Trigger, dann deutet dies auf eine Verstärkung des Trends hin. Beginnt das Histogramm in der gleichen Periode zu fallen, dann ist das ein Indiz für eine Trendwende. Im langsamen MACD-System der Deutschen Bank wird diese Konstellation sichtbar. Während der Aktienkurs und die MACD- & Trigger-Linie sich im Aufwärtstrend befinden flachen die Balken des Histogramms zunehmend ab. Eine Trendumkehr ist zu erwarten. Kurze Zeit später wurde durch den Indikator ein Verkaufssignal ausgelöst.

Der MACD in der Praxis

Der Begriff „Divergenz“ ist bereits öfter in diesem Buch gefallen und beim MACD ist das Wort sogar im Namen mit enthalten. Divergenz bedeutet, dass sich zwei Dinge voneinander entfernen.

BIP Vorteil

Wichtig: Die Divergenz-Analyse beschäftigt sich mit einem anderen Phänomen. Verlaufen die Bewegungen der Kurse im Chart entgegen den Verlaufsmustern des Indikators wird von einer Divergenz gesprochen. Bereits Charles Dow formulierte im letzten Jahrhundert seine ersten Gedanken zur Divergenz-Analyse und unterschied zwischen der positiven und der negativen Divergenz.

MACD-Divergenz

In einem Abwärtstrend bildet der Chart des Wertpapiers kontinuierlich neue Tiefs. Werden diese durch den Indikator, hier MACD nicht durch ebenfalls neue Tiefs bestätigt, handelt es sich um eine positive oder bullishe Divergenz.

Ein Aufwärtstrend ist durch „higher highs and higher lows“ definiert. Bestätigt der Indikator die Hochs nicht durch neue Hochs, wird von einer negativen oder bearishen Divergenz gesprochen.

In der Abbildung wurde jeweils eine einfache Divergenz eingezeichnet, diese tritt bevorzugt in trendlosen Märkten auf. Es gibt außerdem noch mehrfach Divergenzen und darin verbirgt sich für den Anleger eine große Gefahr. Divergenzen dienen dazu eine Trendwende zu erkennen, folglich positionieren sich die Anwender beim Auftreten der selbigen gegen den Trend. Befindet sich ein Kurs in einem Aufwärtstrend und es tritt die erste Divergenz aus, würde der Anleger von einer Trendumkehr ausgehen und eine Short-Position eröffnen. Der Aufwärtstrend kann sich fortsetzen und eine zweite Divergenz bilden. In diesem Szenario würde der Trade gegen den Anleger laufen. Aus diesem Grund ist es notwendig nicht auf einen Stopkurs zu verzichten.

Um eine Divergenz zu verifizieren nutzen einige Händler mehrere Indikatoren. Die Indikatoren ähneln sich jedoch stark und das führt dazu, dass auch dort Divergenzen auftreten ohne die Qualität des Phänomens zu bestätigen.

BIP Wichtig

Wichtig: Tritt eine Divergenz im Tages-MACD auf, dann kann die Gültigkeit im Wochen-MACD überprüft werden.

Bei Indikatoren, die eine Nulllinie besitzen wird die Aussagekraft der Divergenz verstärkt, wenn diese in der Nähe der Nulllinie auftaucht. Die Divergenz-Analyse erfordert viel Praxiserfahrung und sollte von fortgeschrittenen Analysten verwendet werden.

 

„Trading ist die Schule des Minimalismus“ Linda Raschke


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