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Kurs-Cashflow-Verhältnis

Das-Kurs-Cashflow-Verhältnis

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (Cash Flow to Price Ratio) unterliegt weitestgehend keinen bilanzpolitischen Spielräumen und wird deshalb gerne als Ersatz für das Kurs-Gewinn-Verhältnis zur Beurteilung eines Unternehmens herangezogen.

Im Vergleich zum Gewinn beziffert der Cashflow die tatsächliche Höhe an Geldern die in die Kasse des Unternehmens fließen, da Größen wie der Gewinn oder Abschreibungen berücksichtigt werden.

Anleger können aus der Kennzahl Informationen zur Fähigkeit, künftige Schulden zu tilgen, Investitionen durchzuführen oder Dividenden auszuschütten, ableiten.

Das KCV lässt sich nach zwei Möglichkeiten berechnen. Bei der ersten Möglichkeit wird der Kurs je Aktie durch den operativen Cashflow je Aktie geteilt. Die zweite Variante sieht vor, dass die Marktkapitalisierung des betrachteten Unternehmens durch den operativen Cashflow (Mittelzufluss minus Mittelabfluss) dividiert wird.

KCV Formel

Die Schwierigkeit für den Anleger besteht darin, den operativen Cashflow (Working Capital Veränderungen) zu ermitteln. Der Vollständigkeit halber möchte ich Ihnen die Berechnung kurz und knapp erläutern. Die Ermittlung des KCVs haben bereits diverse Börsenwebseiten oder der Broker für Sie übernommen und die Quellen werden Ihnen zum Ende des Kapitels der fundamentalen Analyse aufgelistet.

Die hier als zweite deklarierte Möglichkeit den operativen Cashflow, also den Kapitalfluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit zu berechnen, unterscheidet sich maßgeblich von der ersten und dennoch wird diese häufig zur Ermittlung der Kennzahl herangezogen.

Einige Analysten reduzieren die Berechnung auf lediglich zwei Komponenten: Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag plus Abschreibungen.

KCV Cashflow ermitteln

Das KCV beschreibt mit welchem vielfachen des operativen Cashflows eine Aktie am Markt bewertet wird. Der Cashflow wird ins Deutsche mit dem Begriff „Innenfinanzierungsspielraum“ übersetzt und gibt Auskunft über die Summe, die ohne Zugriff auf andere Geldquellen für den Ausbau und Betrieb des laufenden Geschäfts verwendet werden kann. Dem Cashflow kommt eine besondere Bedeutung für den Aktionär zu, da die Kennzahl die Ertragskraft eines Unternehmens misst und damit das Expansionspotential aufzeigt.

Das KCV als Investmentstrategie

Sowohl die Meta-Studie der ACATIS Anlageberatung für Investmentfonds GmbH als auch die Studie von James P.O`Shaughnessy kamen zum Ergebnis, dass das Handeln auf Basis eines niedrigen KCVs in der Vergangenheit für den Anleger gewinnbringend war. Gegenüber einer willkürlichen Auswahl von Aktien konnte mit der KCV-Strategie eine deutliche Mehrrendite erwirtschaftet werden.

Die Studie der ACATIS unter der Federführung von Leber und Muhle untersuchte zum KCV sechs Teilstudien und kam zum Schluss, dass im Durchschnitt mit dieser Kennzahl eine Überrendite von 6,1 Prozent erzielt werden konnte.

Das Ergebnis der Arbeit von P.O`Shaughnessy wird noch konkreter. Ein Investment in die 50 Aktien mit dem niedrigsten KCV aus der Gruppe „Alle Aktien“ hätte im Zeitraum von 1952 bis Ende 2003 dem Shareholder eine jährliche Rendite von 15,47 Prozent eingebracht. Das Risiko lag jedoch höher, als wenn der Anleger in die komplette Gruppe „Alle Aktien“ investiert hätte.

BIP Vorteil

Wichtig: Ein Kauf von Unternehmen mit den niedrigsten KCVs aus der Gruppe „Große Aktien“, erzielte eine minimal schlechtere Rendite von jährlich 15,25 Prozent, wies dafür allerdings ein deutlich geringeres Risiko auf.

Andere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Zwischen 1950 und 2005 hätte ein Investment in Titeln aus dem Dow Jones mit einem KCV von unter 15 eine jährliche Rendite von um die 20 Prozent erzielt. Im gleichen Zeitraum erreichte der gesamte Dow Jones eine Steigerung von acht Prozent pro Jahr. Sie können den Markt also unter Berücksichtigung des KCVs schlagen!

KCV KCV Strategie

Den positiven Einfluss dieser Kennzahl bestätigen auch Untersuchungen von Wilson (1986), Lakonishok, Shleifer und Vishny (1994) und Wallmeier (2000).

Das KCV in der Praxis

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis informiert den Anleger gut über die Finanzkraft des Unternehmens. Der potentielle Aktionär eines Unternehmens sollte folgende Fakten bei der Anwendung und Interpretation des KCVs im Hinterkopf haben.

1.

Je niedriger das KCV, je günstiger die Aktie. Richtwert: KCVs zwischen 15 und 18 gelten als „fair“ bewertet.

2.

Lohnintensive Branchen (Banken, Dienstleistungen, Software, Logistik) weisen geringe Cashflow-Werte auf, da hier meistens weniger Cash für die Finanzierung von muss.

3.

Kapitalintensive Branchen (Elektronik, Bau, Automobil, Maschinen- und Anlagebau, Fluglinien, Energieversorger und Telekomunikation) weisen höhere Cashflow-Werte auf.

4.

Ständig steigende Cashflows deuten auf ein wachstumsstarkes Unternehmen hin.

5.

Sinkende Cashflow-Raten weisen auf wirtschaftliche Probleme des Unternehmens hin.

6.

KCVs von beständigen Unternehmen, beispielsweise Energieversorger oder Konsumgüterhersteller schwanken weniger stark.

7.

Um das Risiko zu minimieren und den Ertrag zu steigern, sollte das KCV bei kapitalisierten Werten aus den Indizes angewendet werden.

8.

Im Branchenvergleich verdienen Unternehmen mit geringem KCV die größte Aufmerksamkeit.

9.

Ein negativer Cashflow pro Aktie impliziert sinkende Liquidität. In letzter Konsequenz könnte das Unternehmen wegen der Unfähigkeit Rechnungen zu begleichen in die Insolvenz rutschen.

10.

Eine Möglichkeit mit dem KCV und dem KGV zu arbeiten könnte wie folgt aussehen: Aus dem S&P 500 (oder Stoxx Europe 600) werden 100 Aktien mit dem geringsten KGV ausgewählt. Im nächsten Schritt kommt ein weiterer Filter hinzu. Aus dem neuen Aktienpool kommen nur Shares mit einem KCV von unter 15 in die engere Auswahl. Im letzten Schritt können weitere Filterungen vorgenommen werden.

Die Kombination von KCV und KGV

Erfahrungsgemäß kombinieren Anleger gerne das Kurs-Cashflow-Verhältnis mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis. Durch die Anwendung beider Kennzahlen wird dem Anleger ersichtlich, wieviel Cashflow bei gleichem KGV pro Aktie möglich ist.

Ein Investment in Unternehmen mit einem hohen KGV und KCV ist nicht anzuraten. Während einer Boomphase steigen die Kennzahlen stark an und wenn der Markt die Überbewertung erkennt, fällt der Aktienkurs wieder auf ein „faires“ Niveau zurück.

BIP Wichtig

Wichtig: Wird bei zwei Unternehmen aus derselben Branche das gleiche KGV ausgewiesen, dann ist das Unternehmen mit dem niedrigeren KCV zu bevorzugen.

Stellen Sie sich zwei Kaufhausketten vor: Kette A und Kette B. Kette B mietet im Gegensatz zu Kette A seine Gebäude mit den Kaufhäusern nicht, sondern besitzt diese. Folglich kann Kette B Abschreibungen vornehmen. Die Abschreibungen erhöhen den Cashflow und dadurch fällt das Kurs-Cashflow-Verhältnis geringer aus. Das KCV deutet auf einen Substanzbesitz hin und damit auf mögliche stille Reserven. Was sich wiederum positiv auf den Aktienkurs auswirkt.

Zudem gilt es zu beachten, dass das Cash Flow to Price Ratio in der Regel unterhalb des KGVs liegt. Ersteres wird von nicht zahlungswirksamen Effekten bereinigt, welche in den meisten Fällen oberhalb des Jahresüberschusses liegen.

Das KCV: Die Beispiel AG

Eine Aktie der Beispiel AG besitzt ein Cashflow von 2,5 Euro. Um das KCV zu ermitteln muss der Kurs der Aktie, in diesem Beispiel 5 Euro durch den Cashflow von 2,5 Euro geteilt werden. Die Aktie besitzt folglich ein KCV von 2.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Beispiel AG liegt bei 10.

Die Konkurrenz AG besitzt ebenfalls ein KGV von 10, dafür aber lediglich ein KCV von 1. Der Anleger würde die Konkurrenz AG der Beispiel AG vorziehen.

 „Umsatz ist der Applaus der Kundschaft.“ Götz W. Werner


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