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Fallende Dreieck

Fallende-Dreieck

Mit dem fallenden Dreieck wird die letzte der drei typischen Dreiecksformationen in diesem Buch behandelt. Analysten verwenden für die Formation auch gerne die Begriffe „Descending Triangle“ oder „Baisse-Dreieck“. Letzteres weist bereits darauf hin, dass das Pattern in Abwärtstrends vorkommt und genauso wie das aufsteigende Dreieck in Richtung des ursprünglichen Trends ausbricht. Ob sich diese pauschale Aussage statistisch belegen lässt, möchte ich weiter unten klären.

Die Formation ist die Kopie, beziehungsweise das Spiegelbild eines Ascending Triangles. Das fallende Dreieck besteht aus einer unteren Bottom-Linie, auch Nachfragelinie genannt und einer oberen Angebotslinie. Die Bottom-Linie verläuft horizontal und die Widerstandslinie fällt im zeitlichen Verlauf ab, was auf ein fallendes Kaufinteresse hindeutet.

Anhänger der Elliot-Wellen-Theorie definieren ein Dreieck noch etwas präziser. Das Chartmuster muss aus fünf Wellen und jede Welle aus drei Unterwellen bestehen. Wie das im Detail aussieht bleibt hier unberücksichtigt, denn die Elliot-Wellen-Theorie ist ein komplexes Konstrukt, welches sich nicht angemessen und nachvollziehbar in ein paar Seiten beschreiben lässt. Stattdessen soll am Beispiel von der Commerzbank die Entstehung eines „normalen“ fallenden Dreiecks beschrieben werden.

fallende dreieck

Am 21. November 2008 bildete sich im Chart der Commerzbank ein relatives Tief. Der Kurs war binnen vier Monaten in Folge der Finanzkrise von über 20 Euro auf knapp fünf Euro gefallen. Zu diesem Zeitpunkt dachten sich wahrscheinlich einige Investoren, dass der Kurs nicht weiter fallen wird und platzierten Kauforders. Sie wiesen die Market Maker an, nur bei Kursen um die sechs Euro zuzuschlagen.

Im Chart ist die Nachfragelinie bei sechs Euro deutlich sichtbar. Bei dieser Marke wird das Angebot von der Kauforder absorbiert. Nachdem der Kurs am 28. November 2008 ein Zwischenhoch erreichte, fiel der Kurs wieder auf die Unterstützungszone zurück. Dort wurde der Verkaufsdruck durch den Kaufdruck abgeschwächt und die Kurse begannen erneut zusteigen. Allerdings konnte am vierten Dezember 2008 nur ein niedrigeres Hoch erreicht werden.

In den nächsten Tagen kommt es mehrmals zu kurzen Zwischenerholungen. Die platzierte Kauforder ist irgendwann erfüllt. Nun können die Bären genug Kraft aufbringen um am achten Januar aus der Formation auszubrechen. Der Ausbruch nach unten bleibt bei den meisten Tradern und institutionellen Anlegern nicht unbemerkt und hat zur Folge, dass sie sich umgehend von ihren Positionen trennen. Das Vertrauen ist erschüttert und die Abwärtsbewegung nimmt an Fahrt auf. Das Volumen am Tag des Ausbruchs und an den darauffolgenden Tagen ist stark angestiegen. Ein Indiz dafür, dass es sich bei den fallenden Notierungen nicht um einen Fehlausbruch handelt.

BIP Wichtig

Wichtig: Im angeführten Beispiel bildete sich das Dreieck über einen Zeitraum von etwas mehr als einen Monat. In der Regel benötigt die Formation ein bis drei Monate bis zur Fertigstellung. Fallende Dreiecke, welche sich über eine Periode von mehr als 12 Monaten erstrecken, sollten nicht beachtet werden.

Glauben Sie die bärische Ausprägung des rechtwinkligen Dreiecks in einem Betrachtungszeitraum von unter einem Monat entdeckt zu haben, sollten Sie überprüfen, ob es sich tatsächlich um ein fallendes Dreieck oder doch eher um einen Wimpel handelt.

Erfahrungsgemäß findet der Breakout nach unten statt. In einem besonders starken Marktumfeld kann es jedoch auch passieren, dass der Kurs nach oben ausbricht. Die Nachrichtenlage des betrachteten Unternehmens und der Markt als Ganzes sollte deswegen mit im Blick behalten werden.

Das fallende Dreieck als Handelssystem

Das absteigende Dreieck ist etwas seltener als das steigende Dreieck. Die Fehlerquote ist dagegen mit vier Prozent doppelt so hoch. Eine genaue Auswertung der Daten von Bulkowski findet auf den nächsten Seiten statt. Die Tests wurden mit der bereits zuvor genannten Methodik durchgeführt.

fallende dreieck handelssystem

In der von Bulkowski durchgeführten Studie konnten 422 Baisse-Dreiecke als Fortsetzungsformation klassifiziert werden. Von den insgesamt 689 aufgetretenen Mustern leiteten 39 Prozent eine Trendwende ein. Im Durchschnitt benötigt eine Formation 87 Tage bis zur Fertigstellung. Das stützt den Erfahrungswert vieler Trader, dass ein solches Muster zwischen ein bis drei Monaten bis zur fertigen Konstruktion benötigt.

Nach 61 Tagen oder 70 Prozent der Fertigstellung findet in den meisten Fällen ein Ausbruch statt. Diese Erkenntnis deckt sich zum größten Teil mit den Erfahrungen einiger Profianleger, welche einen Ausbruch nach dreiviertel der Zeit erwarten. Das Kursziel erreichten 67 Prozent aller erfolgreichen Breakouts nach unten. Damit erfüllte die Formation nicht das Zulässigkeitskriterium von 80 Prozent.

haeufigkeitsverteilung der verluste

Im Durchschnitt fielen die Kurse nach einem Ausbruch nach unten um 19 Prozent. Alle von Bulkowski betrachteten bärischen Formationen konnten im Mittel bei einem Breakout nach unten einen Kursverlust von 20 Prozent verzeichnen. Damit performt das fallende Dreieck bei Kursverlusten um ein Prozent schlechter als der Rest der bärischen Formationen. Die dargestellte Häufigkeitsverteilung legt nahe, dass der wahrscheinlichste Kursrückgang zwischen zehn und zwanzig Prozent liegt.

backtest ergbnis absteigenden dreieck

Im vorangegangenen Teil des Buches wurde darauf hingewiesen, dass es sich bei einem abfallenden Dreieck um eine Fortsetzungsformation handelt. Diese Feststellung wird von den Ergebnissen Bulkowskis jedoch nicht bestätigt. Bei lediglich 54 Prozent der Ausbrüche fand ein Breakout nach unten statt. In 41 Prozent der Fälle kehrte sich der Trend um und der Kurs brach nach oben aus. Bei den restlichen Prozent setzte sich die Konsolidierung über die Spitze des Dreiecks hinaus fort.

Nach einem Ausbruch nach unten kommt es in 64 von 100 Breakouts zu einem Pullback, welcher im Durchschnitt 12 Tage andauert. Die Prozentzahl liegt schon deutlich über dem Zufall, genügt allerdings nicht, um daraus entsprechende Strategien für das Trading ableiten zu können. Sie müssen nur wissen, dass es zu Pullbacks kommen kann.

Sobald der Ausbruch unter hohen Volumen stattgefunden hat und beispielsweise mit der Folgekerze bestätigt wurde, kann eine Position in Ausbruchsrichtung eröffnet werden.  Ein Einstieg sollte immer unter der Voraussetzung stattfinden, dass die fundamentalen Daten und andere Kriterien auch für oder gegen ein Investment sprechen.

absteigende Dreieck Umsätze

Bereits beim aufsteigenden Dreieck war ein hoher Umsatz kein Garant für höhere Kurssteigerungen. Bulkowski konnte belegen, dass der durchschnittliche Kursrückgang bei 18 Prozent liegt, wenn der Breakout unter hohen Umsätzen stattfindet. Am Ausbruchstag stieg der Umsatz im Mittel gegenüber dem 25-Tage-Durchschnitt um 158 Prozent an. Am Folgetag stieg der Umsatz erneut um 10 Prozent auf 168 Prozent an und erreicht damit den höchsten Wert. Es ist davon auszugehen, dass die Investoren darauf warten, dass der Ausbruch durch eine weitere Bärenkerze bestätigt wird und dann erst Aktienpakete erwerben.

Um das Gesagte zu vertiefen und zu veranschaulichen wird im nächsten Abschnitt ein Beispiel diskutiert.

Das absteigende Dreieck in der Praxis

Um die erlesenen Erkenntnisse zu vertiefen, soll in diesem Abschnitt ein fallendes Dreieck im Chart des börsennotierten Stahlkonzerns Salzgitter besprochen werden.

Das Baisse-Dreieck stellt eine Konsolidierungsphase innerhalb eines Abwärtstrends dar. Im Jahr 2008 ging der deutsche Aktienindex von einer Aufwärts- in eine Abwärtsbewegung über.

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Da sich der Markttrend auf das Verhalten der Aktionäre auswirkt, gibt uns der Bärenmarkt einen ersten Hinweis darauf, was der Trader zu diesem Zeitpunkt erwarten konnte. Die Weltwirtschaft befand sich im Crashmodus und die Stahlbranche litt unter hohen Einkaufspreisen und einen harten Konkurrenzkampf mit den Chinesen. Der zweitgrößte Stahl-Hersteller rutschte in die roten Zahlen und erholte sich bis heute nicht.

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Am 29. Mai 2008 bildete sich im Chart der Aktie ein relatives Hoch und sieben Tage später erreichte der Kurs ein weiteres realtives High. Dieses lag unterhalb des ersten Hochs vom Mai. Bei 120 Euro bildete sich über die Laufzeit von einem Monat die Bottom-Linie des fallenden Dreiecks heraus.

Im Chart ist grau der gleitende Durchschnitt 200 eingezeichnet. Sobald der Kurs den Indikator berührte, stieg der Kaufdruck und in diesem Zusammenhang der Kurs wieder an.

Am 30. Juni fand der Breakout aus dem Baisse-Dreieck statt und mit der gleichen Kerze wurde auch der Simple Moving Average 200 durchbrochen. Zu diesem Zeitpunkt haben drei Chartsignale dem Trader einen Hinweis zur Eröffnung einer Short-Position gegeben. Der Markt befand sich in einem Abwärtstrend, der Gleitende Durchschnitt 200 wurde von oben nach unten durchbrochen und der Kurs brach aus dem fallenden Dreieck aus.

Mit den Breakouts ging ein deutlicher Anstieg des Volumens einher.

Zur Kurszielbestimmung eignen sich zwei Methoden. Bei der ersten Variante wird die Widerstandslinie parallel bis zum Punkt A verschoben. Im angeführten Beispiel würde sich daraus ein Kursziel von 110,40 Euro ergeben, dieses wurde bereits am ersten Juli erreicht. Die zweite Möglichkeit zur Errechnung des Kursziels besteht darin, die Strecke AB auf den Ausbruchspunkt C zu projizieren. Aus Sicht der technischen Analyse würde sich folglich ein Kursziel von 107 Euro ergeben. Am zweiten Juli wurde es erreicht und anschließend ging der Aktienkurs in eine Seitwärtsbewegung über.

BIP Wichtig

Wichtig: Erfahrene Trader hätten ihre Shortposition nicht glattgestellt, denn entweder hätten sie ihren Stopp-Kurs auf Entry nachgezogen oder oberhalb des relativen Hochs vom elften Juli gesetzt.

Mit sehr einfachen Mitteln kann der Aktionär Tradingsetups heraussuchen und zum Ein- oder Ausstieg nutzen. Der Umgang mit den abfallenden Dreiecken muss geübt und die hier aufgeführten Fakten sollten nicht vernachlässigt werden.

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„Es ist besser ungefähr recht zu haben, als sich tödlich zu irren.“ Warren Buffett


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