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Exponentiell Gleitende Durchschnitt

Exponentiell-Gleitende-Durchschnitt

Mit dem Exponentiell Gleitenden Durchschnitt (EMA) wird eine Art des zuvor besprochenen einfachen gleitenden Durchschnitts behandelt. Der Indikator zählt zu den ältesten Ansätzen in der technischen Analyse und bildet die Grundlage für andere Indikatoren der ersten Generation, zum Beispiel den MACD (Moving Average Convergence/Divergence).

Exponentieller Durchschnitt-chart-Adidas

Anders als beim SMA bezieht sich der EMA nicht auf eine festgelegte Periode von „n“-Tagen, sondern bezieht alle vorhandenen Kursdaten mit in die Berechnung ein, wenn auch mit einem unterschiedlichen Gewichtungsfaktor.

Jüngeren Kursdaten wird dabei ein höheres Gewicht als älteren Kursen beigemessen. Die Berechnung des Exponentiell Gewichteten MAs übernimmt das Chartprogramm, allerdings soll zur Veranschaulichung und zum besseren Verständnis ein Beispiel durchgerechnet werden. Die einschlägige Börsenliteratur befasst sich zudem ebenfalls nur sehr unzureichend mit der Berechnung des exponentiellen GDs. Ein Handwerker kann ein Werkzeug aber nur richtig einsetzen, wenn er versteht wie das Werkzeug funktioniert und aus welchen Materialien es hergestellt wurde. Würde er es nicht wissen, könnte er auf die Idee kommen, einen Steinblock mit einem Sägeblatt für Holz zu sägen.

Die Formel des Indikators lässt sich wie folgt darstellen:

EMA Formel

Als Basis für das nun folgende Beispiel sollen die Schlusskurse der Adidas-Aktie im XETRA vom 06.08.2012 bis 10.08.2012 dienen.

EMA Kurstabelle

In der Musterrechnung existieren vor dem 06.08.2012 keine Kursdaten, deshalb entspricht das Ergebnis des ersten EMA dem Schlusskurs des Tages.

EMA Beispielrechnung

Nach fünf Tagen befindet sich der EMA bei 61,42 Euro. Der SMA würde sich bei 61,44 Euro befinden. Bei einem Schlusskurs von 61,41 Euro notiert der exponentielle gleitende Durchschnitt deutlich näher am Aktienkurs als der einfach gleitende Durchschnitt. Darin liegt auch einer der Vorteile des Indikators.

In der nächsten Grafik wurde der EMA dem SMA gegenübergestellt, um die Nähe zum aktuellen Aktienkurs zu verdeutlichen.

EMA Ema Sma Vergleich Adidas

Im nächsten Abschnitt soll der Indikator auf zwei verschiedene Underlyings und mit zwei unterschiedlichen Handelsansätzen getestet werden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden zum Ende der Abhandlung über den EMA konkrete Handelsregeln abgeleitet.

Der Exponentiell Gleitende Durchschnitt als Handelssystem

Um die Aussagekraft des exponentiell gleitenden Durchschnitts zu untersuchen, testete Herr Carsten Schürmann von der Website smarttrader.com den Indikator auf Vergangenheitsdaten von über 15 Jahren. Die Untersuchung endete am 01.01.2010. Getestet wurde sowohl im Deutschen Aktienindex als auch im S&P 500.

Herr Schürmann hat von jedem gewinnbringenden Trade die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent abgezogen. Um die Ergebnisse nicht zu verfälschen wurde jeder Trade nicht zum Zeitpunkt des Signals, sondern mit einer Abweichung von 0,5 Prozent zum schlechteren Kurs ausgeführt. Im betrachteten Zeitraum erwirtschaftete der DAX eine durchschnittliche jährliche Performance von 9,36 Prozent. Der S&P 500 brachte mir der Buy & Hold Strategie jährlich eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent ein.

Das erste getestete Handelssystem kann auch als EMA-Index-Crossover bezeichnet werden. Die Generierung von Signalen wird von einem EMA und dem Index selbst übernommen. Durchbricht der Indexkurs den Moving Average von unten nach oben, entsteht ein Kaufsignal. Analog dazu entsteht ein Verkaufssignal, wenn der Referenzwert den EMA von oben nach unten durchbricht.

Eine Outperformance gegenüber dem DAX konnte nur ein Bruchteil der betrachteten EMAs erzielen. Am besten schnitt der EMA411 mit einer jährlichen Performance von etwas mehr als 10 Prozent ab. Im S&P 500 konnte sich der EMA334 mit einer durchschnittlichen Rendite von acht Prozent behaupten. Im amerikanischen Index war die Anzahl erfolgreicher exponentieller Moving Averages höher als im deutschen Leitindex DAX. Die ernüchternden Ergebnisse unterstreichen die Aufforderung sich niemals nur auf einen Indikator zu verlassen. Erst die Kombination mehrerer Indikatoren ermöglicht eine deutliche Outperformance gegenüber dem Markt.

BIP Wichtig

Wichtig: Schon die Kombination von einem langsamen und einem schnellen EMA, zusammengefasst im Handelssystem „Crossover“ erwirtschaftet gegenüber den Basiswerten eine deutliche Überrendite.

Crossover bedeutet, dass ein Kaufsignal entsteht, wenn der schnellere EMA den langsameren EMA von unten nach oben durchkreuzt. Im umgekehrten Fall entsteht ein Verkaufssignal.

Die Auswertung der Studie hat ergeben, dass das EMA Paar 175/152 im getesteten Zeitraum die höchste Rendite erbrachte. Mit einer Performance von 22,2 Prozent pro Jahr wurde der Vergleichsindex DAX deutlich geschlagen. Im S&P 500 konnte die Kombination eines EMA125 und EMA120 mit einer Rendite von 16,23 Prozent die besten Ergebnisse erzielen.

Die Resultate der Studie haben gezeigt, dass die Kombination von zwei exponentiellen gleitenden Durchschnitten bereits zu Überrenditen gegenüber dem Benchmark führen. An dieser Stelle soll es aber nicht unerwähnt bleiben, dass profitable Kombinationen aus der Vergangenheit sich keineswegs in der Zukunft fortsetzen müssen.

Der Exponentiell Gleitende Durchschnitt in der Praxis

Beim exponentiell gleitenden Durchschnitt gelten die gleichen Handelsanweisungen wie beim einfachen gleitenden Durchschnitt.

BIP Wichtig

Wichtig: Im Gegensatz zum SMA bildet ein EMA häufiger Fehlsignale, da er schneller auf Preisveränderungen reagiert und nicht so träge wie der einfache gleitende Durchschnitt ist. Der Abstand zwischen dem EMA und dem aktuellen Kurs ist aufgrund seiner Berechnung kleiner als die Differenz vom Kurs zum SMA.

Muss sich ein Anleger zwischen dem SMA200 und dem EMA200 entscheiden, dann sollte er den SMA200 wählen. Der SMA200 wird von technischen Analysten zur Entscheidungsfindung öfter herangezogen als der EMA200. Dadurch erhöht sich die Aussagekraft des Simple Moving Averages gegenüber dem Exponential Moving Average und generierte Kauf- oder Verkaufssignale sind nachhaltiger.

Durchbricht der EMA den Basiswert von oben nach unten wird ein Kaufsignal ausgelöst. Der Moving Average dient anschließend als Unterstützungs-Zone. Ein Verkaufssignal liegt vor, wenn der exponentielle MA das Underlying von unten nach oben kreuzt. Dabei wird aus dem EMA ein Widerstandsbereich.

Die Verwendung von mehreren EMAs ist ebenso denkbar. Bei der Crossover-Methode entsteht immer dann ein Kaufsignal, wenn der schnellere EMA den langsameren EMA von unten nach oben kreuzt. Im umgekehrten Fall wird ein Verkaufssignal generiert.

Wie man als Anleger mit einer relativ einfachen Strategie jährlich nennenswerte Renditen erwirtschaften kann, zeigt Bernd Vogel in seinem Buch „Absolute Weekly“. Der Autor und Trader wird dieses Buch noch öfter mit seinen Ideen und Handelsansätzen bereichern. Das hier vorgestellte Handelssystem nennt sich GD3 und dahinter verbergen sich ein EMA 3, SMA 8 und ein SMA 35. Der Ansatz erzeugt die Signale nicht auf Tagesbasis, sondern auf Wochenbasis. Der Exponentiell gleitende Durchschnitt drei wird folglich auf Basis der letzten drei Wochen berechnet.

Ein Einstiegssignal wird generiert, wenn der Aktienkurs über dem EMA3, der EMA3 über dem SMA8 und der SMA8 über dem SMA35 notiert. Der Ausstieg findet statt, wenn der Kurs und der Exponentiell gleitende Durchschnitt den Simple Moving Average 35 von oben nach unten durchbrechen.

Exponentieller Durchschnitt-chart-Gd3

In dem abgebildeten Chart wird der DAX zwischen dem 17.05.2003 und 29.05.2004 dargestellt. Das Einstiegssignal wurde am Freitag dem 30. Mai 2003 ausgelöst. Am Montag den zweiten Juni wurde zum Kurs von 2.991 Punkten eine Long-Position eröffnet. Sowohl der Einstieg, als auch der Ausstieg finden immer zum Eröffnungskurs der Folgewoche statt. Am 21. Mai 2004 wurde das Ausstiegssignal erzeugt und drei Tage später wurde die Position zum Eröffnungskurs von 3.842 Punkten verkauft. Der Trade hätte dem Anleger eine Rendite von 24,5 Prozent eingebracht.

Bernd Vogel hat in seinen gesamten Tests keine Ordergebühren und keine Abgeltungssteuer berücksichtigt. Die Strategie wurde in der Periode vom 01. Januar 2002 bis zum 31. Dezember 2011 im DAX und im SDAX getestet. Im gesamten Zeitraum wurden jeweils sechs Ein- & sechs Ausstiegssignale generiert. Aus diesem Grund verfälschen die Transaktionskosten das Ergebnis nicht zu stark und können vernachlässigt werden.

backtestergebnis der ema

Im Deutschen Aktienindex produzierte die GD3-Strategie zwei Verlusttrades. Mit minus 9,3 Prozent wurde der größte Verlust gleich zu Beginn des Backtests gemacht. Während des großen Aktiencrashs 2008 war die Strategie nicht im Markt. Insgesamt konnte dem Ansatz über dem getesteten Zeitraum eine Performance von 133,7 Prozent nachgewiesen werden.

backtestergebnis der ema 3 sma 8

Die Handelsstrategie konnte zudem den SDAX deutlich outperformen. Während der Index im dargestellten Zeitraum um 81 Prozent steigen konnte, machte der vorgestellte Ansatz aus 5.000 Euro 19.509 Euro, das entspricht einem Zuwachs von fast 300 Prozent.

Herr Vogel ging noch einen Schritt weiter und modifizierte die 3GD-Strategie dahingehend, dass immer nur 80 Prozent des zur Verfügung stehenden Kapitals pauschal bei einem Einstiegssignal investiert werden. Die restlichen 20 Prozent werden auf ein unverzinstes Tagesgeldkonto gelegt. Dadurch, dass die Transaktionskosten nicht mit in die Performance eingerechnet wurden, ist es richtig, dass die Zinsen auch keine Beachtung finden. Ein weiteres Merkmal der Strategie lautet, dass in Bärenmärkten keine Long- oder Short-Position eröffnet wird. Wenn beispielsweise ein Ausstiegssignal generiert wird und der Markt befindet sich in einer Abwärtsbewegung, dann bleibt das nächste Kaufsignal unberücksichtigt. In diesem Fall wird das gesamte Kapital auf dem Tagesgeldkonto geparkt.

BIP Vorteil

Wichtig: Um die Entwicklung des Depots zu stabilisieren, wird bei der Strategie wöchentlich eine Summe von 50 Euro auf das Tagesgeldkonto eingezahlt. Dadurch steht bei einem erneuten Einstieg mehr Geld zur Verfügung.

Der Stopp-Kurs befindet sich zehn Prozent unterhalb des Einstiegskurses. Da das Anfangskapital bei diesem Test 10.000 Euro beträgt und beim ersten Einstiegssignal 80 Prozent investiert werden, kann maximal ein Verlust von 800 Euro entstehen. Das entspricht einem Gesamtrisiko von acht Prozent am Gesamtkapital.

Getestet wurde die Strategie über den bereits erwähnten Zeitraum von 10 Jahren im SDAX und während der Anleger aus 10.000 Euro im SDAX 51.608 Euro gemacht hätte, hätte er unter Anwendung der Strategie mit dem gleichen Kapital eine Rendite von 74.696 Euro erzielen können.

Der Vorteil dieser Strategie liegt in der Kombination aus dem Sparen und dem Anlegen. Durch die wöchentliche Hinzugabe von Kapital stand nach einem Abwärtstrend mehr Investitionskapital zur Verfügung und deshalb konnte am Aufwärtstrend besser partizipiert werden. Damit das Ergebnis nicht verfälscht wird, wurde die Position im SDAX ebenfalls wöchentlich um 50 Euro aufgestockt. Das Resultat geht in diesem Fall zulasten der Strategie, denn die wöchentlich anfallenden Transaktionskosten hätten die Performance im SDAX stark negativ beeinflusst.

BIP Wichtig

Wichtig: Das besprochene Konzept war nicht permanent im Markt investiert. Aus diesem Grund wird im Buch „Absolute Weekly“ die 70/20-Strategie auf Basis eines Exponentiellen Durchschnitts zehn und eines Simple Moving Averages dreißig vorgestellt.

Die Berechnungsgrundlage ist wöchentlich. Ein Kaufsignal wird nach den Regeln der Crossover-Methode erzeugt. Der kürzere EMA muss den längeren SMA von unten nach oben durchkreuzen. Im umgekehrten Fall wird ein Verkaufssignal generiert. Der Name 70/20 kommt von der zu eröffnenden Positionsgröße, denn bei einem Long-Signal werden 70 Prozent und bei einem Short-Signal 20 Prozent des gesamten Kapitals investiert. Der Rest wird auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt.

Nachgehandelt werden kann das System beispielsweise mit einem DAX-ETF. Im DAX wurden so aus 10.000 Euro Anfangskapital 21.896 Euro. Im Deutsche Aktienindex fiel der Hinzugewinn mit 1.440 Euro deutlich geringer aus. Anleger hätten mit dieser Strategie also ihr Kapital mehr als verdoppelt.

Im kleineren SDAX konnte der Ansatz ähnlich gute Rendite erzielen. Während im SDAX aus 10.000 Euro 18.094 Euro wurden, konnte mit Hilfe der 70/20-Strategie das Kapital auf 32.784 Euro gesteigert werden.

Der EMA ist eine interessante Weiterentwicklung des SMAs. Allerdings kann laut Jack D. Schwager empirisch keine Überrenditen gegenüber dem normalen gleitenden Durchschnitt nachgewiesen werden. Dennoch, dank der höheren Gewichtung der jüngeren Daten ist der Indikator deutlich agiler.

Die Berechnung auf Schlusskursbasis ist nicht zwingend notwendig. Im Aufwärtstrend kann auch der Tiefstkurs und im Abwärtstrend der Höchstkurs als Basisdatenset verwendet werden.

„Ich habe noch niemanden kennengelernt, der mit Technischer Analyse richtig reich geworden ist.“ Jim Rogers


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