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Dividendenrendite

Die-Dividendenrendite

Die Dividendenpolitik eines Unternehmens wird stark von den Möglichkeiten beeinflusst, finanzielle Mittel für lohnende Investitionen und/oder zur Tilgung von Schulden einzusetzen.

Befindet sich eine börsennotierte Firma auf Wachstumskurs, werden Gewinne einbehalten und nicht an die Aktionäre ausgeschüttet. Unternehmen mit geringem Wachstum und optimaler Kapitalstruktur schütten hingegen regelmäßig Beträge an die Shareholder aus. Dividenden werden üblicherweise jährlich an die Aktionäre ausgezahlt. In Amerika sind auch quartalsweise Zahlungen möglich. Bei REIT-Gesellschaften (Abkürzung für „real estate investment trust“) können sogar monatlich Dividenden ausgezahlt werden.

Bei der Dividendenrendite (Dividend yield) wird die Dividende des Unternehmens ins Verhältnis zum Aktienkurs gesetzt und mit 100 multipliziert. Anders als bei den zuvor besprochenen Kennzahlen steht hier der Aktienkurs im Nenner und nicht im Zähler der Formel. Das Ergebnis wird in Prozent angegeben.

Dividendenrendite Formel

Die leichte Berechnung und die hohe Aussagekraft der Größe machen diese Kennzahl so unverzichtbar für den Anleger.

BIP Vorteil

Wichtig: Aber Vorsicht. Nicht selten wird auf Börsenwebseiten eine zu hohe Dividendenrendite zu einer Firma ausgewiesen. In Wahrheit ist der Aktienkurs nur einfach stark gefallen und die herangezogene Dividende wurde für das laufende Jahr geschätzt oder es wurde ein Vorjahreswert genommen. Der Anleger tappt dann in eine sogenannte Value-Trap.

Zwar muss ein starker Kursverfall die Dividendenkontinuität nicht negativ beeinträchtigen, dennoch reicht in solchen Fällen oftmals die Höhe der Gewinnausschüttung nicht aus, um entstandene Kursverluste zu kompensieren.

Bereits in der Wirtschaftspresse finden Sie die Dividendenrendite zu den einzelnen Unternehmen. Am Ende des Kapitels werden Ihnen interessante und qualitativ hochwertige Quellen zur Dividendenrendite genannt.

Die Dividendenrendite als Investmentstrategie

Die Dividendenrendite sollte bei jeder Entscheidungsfindung miteinbezogen werden. Sind beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis und das Kurs-Buchwert-Verhältnis der zu vergleichenden Unternehmen identisch, dann kann der Anleger anhand einer höheren Dividendenrendite sich für eines der Unternehmen entscheiden.

BIP Wichtig

Wichtig: Zur Strategie wurden zahlreiche empirische Studien durchgeführt. Ich möchte besonders auf die Ergebnisse der ACATIS Anlageberatung für Investmentfonds GmbH eingehen. Die Resultate von James P. O`Shaughnessy, Michael O`Higgins und Max Otte sollen an dieser Stelle ebenfalls betrachtet werden.

Die ACATIS untersuchte in Ihrer Meta-Studie insgesamt acht Teilstudien. Die Auswertung ergab, dass im Durchschnitt mit dieser Strategie eine Überrendite von 4,9 Prozent gegenüber dem Vergleichsindex erwirtschaftet werden konnte. Damit ist die Dividendenrendite erfolgreicher als das Kurs-Gewinn-Verhältnis und das Kurs-Umsatz-Verhältnis.

Die Studie von O`Shaughnessy bewies, dass mit steigender Marktkapitalisierung die Überrenditen gegenüber dem Vergleichswert ansteigen. Eine Investition in die 50 Titel mit der höchsten Dividendenrendite aus der Gruppe „Große Aktien“ erwies sich bis zum Jahr 2003 als besonders gewinnbringend. Der Vorteil von großen und bekannten Unternehmen ist, dass sie solide Bilanzen aufweisen und schon viele Jahre im Geschäft sind.

Dividendenrendite Strategie

Anfang der Neunzigerjahre bewies der aus Amerika stammende Vermögensverwalter Michael O`Higgins, dass die Dividendenstrategie zwischen 1973 und 1991 gegenüber dem Dow Jones eine signifikante Überrendite erzielte.

Im untersuchten Zeitraum erreichte der Dow Jones eine Performance von 559,31 Prozent. Aus 10.000 US-Dollar wären 65.931 US-Dollar geworden. Hätte der Anleger hingegen in die zehn dividendenstärksten Unternehmen aus dem Dow Jones investiert so wären aus dem Startkapital von 10.000 US-Dollar 185.312 US-Dollar geworden. Dies entspricht einer Rendite von 1.753,14 Prozent. Die Auswahl der Aktien wurde jedes Jahr neu überprüft und angepasst. Sie hätten den Markt geschlagen!

Prof. Dr. Max Otte und sein Kollege Stefan Kotkamp veröffentlichten 2001 eine Studie zur Anwendung der Dividendenstrategie im DAX. Im Zeitraum vom ersten September 1961 bis 31. Dezember 1998 wurden jährlich die fünf dividendenstärksten Titel gekauft. Die Strategie erzielte im Durchschnitt eine Überrendite von bis zu vier Prozent. Der deutsche Aktienindex konnte in zwei Drittel aller Jahre von der Strategie geschlagen werden.

Der Börsenexperte Uwe Lang projizierte die Vorgehensweise von O`Higgins auf den deutschen Leitindex DAX und kam für den Zeitraum 1998 bis 2008 zum Ergebnis, dass die Strategie gegenüber dem DAX in nur sechs von elf Jahren eine Überrendite erzielte. Eine isolierte Anwendung dieser Kennzahl ist folglich ohne Berücksichtigung der Marktphase und des Zeitraums nicht empfehlenswert.

Die Dividendenrendite in der Praxis

Damit Sie die Dividendenrendite richtig einschätzen können, gebe ich Ihnen einen kleinen Leitfaden zur Anwendung der selbigen.

1.

Bevor in ein Unternehmen anhand der Dividendenrendite investiert wird, muss der Trader die Fragen nach der Sicherheit und dem Dividendenwachstum klären.

2.

Die Dividendenrendite muss einer mehrjährigen Betrachtung unterliegen. Im Idealfall gibt es bei den zu betrachtenden Unternehmen keine Dividendenausfälle. Stichwort: Dividendenkontinuität.

3.

Achten Sie darauf, dass die Dividende nicht aus der Substanz des Unternehmens bezahlt wird. In diesem Fall wären die Gewinne niedriger als die Höhe der Dividendenzahlungen. Das führt langfristig zu einer Korrektur der Dividendenrendite nach unten.

4.

Eine hohe Dividendenrendite stellt ein Zeichen für ein unterbewertetes Unternehmen dar.

5.

Unerwartete Dividendenerhöhungen führen zu steigenden Kursen.

6.

Unerwartete Dividendensenkungen führen zu fallenden Kursen.

7.

Ein Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von 30% kann wahrscheinlich auch in konjunkturschwachen Phasen eine Dividende zahlen. Am Ende des Kapitels werden Quellen genannt, welche die Eigenkapitalquoten kostenlos für den Besucher bereitstellen.

8.

Unternehmen aus gesättigten Branchen wie der Telekommunikation schütten die meisten Gewinne an ihre Aktionäre aus.

9.

Erfahrungsgemäß zahlen Unternehmen mit einem hohen Kurs-Cashflow-Verhältnis weniger Dividende.

10.

Die Werte aus dem Deutschen Aktienindex besitzen im Durchschnitt eine Dividendenrendite zwischen zwei und drei Prozent.

11.

Stark wachsende Unternehmen reinvestieren ihre Gewinne, um die Marktanteile auszubauen und die Wettbewerbsposition zu stärken. Aus diesem Grund schütten sie keine Dividenden aus. Bei einem Vergleich zwischen mehreren Unternehmen sollte deshalb stets die Marktkapitalisierung ungefähr gleich groß sein.

12.

Die Dividendenrendite lässt sich hervorragend um weitere Filter, wie der Marktkapitalisierung erweitern. In einem Depot können zum Beispiel ausschließlich Werte mit einer hohen Dividendenrendite und einer Marktkapitalisierung von einer Milliarde Euro aufgenommen werden. Auch das Umsatzwachstum kann als Filterkriterium fungieren.

Traditionell wird die Dividende nach der Hauptversammlung an die Aktionäre ausgezahlt. Infolgedessen geht der Kurs in den meisten Fällen zurück. Sollten auf der Hauptversammlung unerwartet Informationen preisgegeben werden, die den Kurs der Aktie positiv beeinflussen, kann dies den Kursverfall am nächsten Tag kompensieren.

Auf der Hauptversammlung wird die Dividendenhöhe lebhaft diskutiert, denn die Shareholder haben unterschiedliche Präferenzen. Gemeinsam mit der Deutschen Post AG untersuchte die Ruhr-Universität Bochum im Jahre 2005 in einer Umfrage die Interessen der deutschen Aktionäre. Mehr als zwei Drittel der Befragten sprach sich für eine geringe bis mittlere Dividende bei einer hohen bis mittleren Kurssteigerung aus.

Dividendenrendite Bedeutung

Der deutsche Aktienindex DAX notiert in den Monaten April bis Mai vergleichsweise stabil. Das liegt unteranderem an der Dividende, denn in diesen Monaten finden die Hauptversammlungen statt und die Smart-Money (Institutionelle Anleger) halten ihre Shares im Depot.

Die Kombination der Dividendenrendite mit anderen Kennzahlen

Wie bereits oben beschrieben, sollte der Anleger die Dividendenrendite immer im Kontext mit anderen Kennzahlen betrachten. Aus den einzelnen Handlungsanweisungen zu den Kennzahlen lassen sich gute Aktienscreener zusammenstellen. Eine zu starre Anwendung ist dabei nicht empfehlenswert, denn wenn ein Titel beispielsweise eine hohe Dividendenrendite besitzt (über fünf Prozent), dann kann der Anleger auch ein höheres KGV in Kauf nehmen.

Die Dividendenrendite: Die Beispiel AG

Wegen Absatzproblemen in Fernost ist die Beispiel AG in diesem und im nächsten Jahr dazu gezwungen keine Dividende auszuschütten. Die Gewinne werden thesauriert, also einbehalten. Im letzten Jahr gab es zum Kurs von sechs Euro eine Dividende von 20 Cent pro Aktie.

Um die Dividendenrendite aus dem Vorjahr zu ermitteln muss die Dividende pro Aktie durch den Kurs von sechs Euro geteilt und mit 100 multipliziert werden. Daraus ergibt sich eine Rendite von 3,33 Prozent. Würde sich das Unternehmen im DAX befinden, dann wäre die Dividendenrendite als überdurchschnittlich zu bewerten.

BIP Vorteil

Wichtig: Nachdem in diesem Buch die Kennzahlen in Abhängigkeit des Kurses erörtert wurden, möchte ich im nächsten Abschnitt auf den Verschuldungsgrad und andere wichtige Größen eingehen.

 „Besser ohne Abendessen zu Bette gehen als mit Schulden aufstehen.“ Autor unbekannt


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