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Bollinger Bänder

Bollinger-Bänder

Die Bollinger Bänder (Alpha-Beta-Bänder) wurden 1986 nach ihrem Erfinder John Bollinger benannt und stellen ein unverzichtbares Werkzeug zur technischen Analyse eines Aktiencharts dar. Die einfache Berechnung und Anwendung des Indikators machen ihn so beliebt.

Die Bollinger Bänder geben sowohl Aufschluss über den Preistrend als auch der Schwankungsbreite einer Aktie. Der Indikator besteht aus drei Bändern, dem unteren, mittleren und oberen Bollinger Band. Das mittlere Band stellt einen einfachen gleitenden Durchschnitt dar, um den die jeweils anderen Bänder geschlagen werden. Das obere und untere Bollinger Band bilden die Standardabweichung um den gleitenden Durchschnitt. Klingt kompliziert, ist im Grunde aber ganz einfach!

Bollinger Bänder-Chart-Commerzbank

Um die Funktionsweise der Bollinger-Bänder besser zu verstehen, wird im Folgenden die Berechnung der Standardabweichung als Streuungsmaß aus der Statistik und des Gleitenden Durchschnitts erläutert. Zur Berechnung werden die Schlusskurse der Commerzbank vom 06.08.2012 bis 10.08.2012 herangezogen.

Bollinger Bänder Standardabweichung

Mit der Standardabweichung lässt sich die Marktvolatilität (Schwankungsbreite) von Preisdaten messen und darstellen. Der Durchschnittskurs der betrachteten Periode wird als  bezeichnet.

Im Zeitraum vom 06.08.2012 bis 10.08.2012 schloss der Aktienkurs der Commerzbank im XETRA wie folgt:

Bollinger Bänder Kurstabelle

Im ersten Schritt wird aus diesen Kursdaten das Arithmetische Mittel berechnet. Das Ergebnis entspricht dem mittleren Bollinger-Band.

Bollinger Bänder Mittleres Bollinger Band

In der oben genannten Formel werden im nächsten Schritt die Kursdaten und der Durchschnittskurs eingesetzt.

Bollinger Bänder Standardabweichung berechnen Beispiel

Die einfache Standardabweichung beträgt 0,0033226 Euro. Die gängigen Chartprogramme arbeiten mit der zweifachen Standardabweichung. Dementsprechend wird zur Ermittlung des oberen und unteren Bollinger-Bands die Standardabweichung mit der Zahl Zwei multipliziert. Gemäß der Normalverteilung befinden sich bei der 2-Fachen-Standardabweichung 95 Prozent der Kursdaten in den Bollinger Bändern.

John Bollinger machte die Erfahrung, dass es in der Realität zwischen 88 und 89 Prozent sind. Wird die einfache Standardabweichung genutzt, dann befinden sich knapp 70 Prozent der Kurse in den Alpha-Beta-Bändern. Der Gedanke von John Bollinger war, dass sich Werte immer um den errechneten Mittelwert, hier das mittlere Bollinger Band häufen.

Bollinger Bänder Oberes und Unteres Berechnen

Nach der durchgeführten Berechnung kann festgehalten werden, dass sich am 10.08.2012 das mittlere Bollinger Band bei 1,254 Euro, das obere Bollinger Band bei 1,32 Euro und das untere Bollinger Band bei 1,19 Euro befand.

Der Aktienkurs schloss an diesem Tag in der Nähe des unteren Bollinger Bands.

BIP Vorteil

Wichtig: Wie sich die Bollinger Bänder in der Praxis als eigenständiges Handelssystem bewähren und wie sie zu interpretieren sind, wird in den nächsten Abschnitten erläutert.

Die Bollinger Bänder als Handelssystem

Rudolf Wittmer von der WHS GmbH testete die Bollinger-Bänder, als Handelssystem in sieben verschiedenen Märkten (YEN, TBOND, Crude Oil, Coffee, S&P 500, Soybeans, Silver).

Das Handelssystem wurde als Trendfolger konzipiert. Das bedeutet, dass davon ausgegangen wurde, dass nach einer Phase geringer Schwankungsbreite ein neuer Trend eingeleitet wird. Die Bollinger Bänder reagieren langsamer als der Kurs des Wertpapiers nach oben oder unten. Infolgedessen durchstößt der Kurs kurzzeitig in der frühen Phase der neuen Bewegung das obere oder untere Bollinger Band. Solche Ausbrüche handelte Wittmer in seinem Backtest trendfolgend. Es wurden Positionen in Richtung des Ausbruchs aufgebaut. Wurde beispielsweise das obere Bollinger Band durchstoßen, dann wurde im Test eine Long-Position eröffnet.

BIP Vorteil

Wichtig: Das Portfolio erwirtschaftete in der getesteten Zeit von Anfang 1997 bis Anfang 1999 tatsächlich Gewinne. Besonders profitabel war der Ansatz im Währungspaar US-Dollar/Japanischer Yen. Mit einer Trefferquote von 57,14 Prozent war das Handelssystem im USD/JPY gleichzeitig am erfolgreichsten.

Den höchsten Drawdown (Verlust) mit 13.634,38 US-Dollar generierte der Ansatz im S&P 500. Das gesamte Portfolio wies gegen Ende des Jahres 1998 zwar einen Gewinn aus, allerdings gab es nach starken Gewinnertrades auch eine lange Verlustperiode. Zwischen Juli 1997 und Februar 1998 wurde nahezu der gesamte Gewinn zunichte gemacht. Rudolf Wittmer kam zum richtigen Entschluss, dass das Ergebnis des Gesamtportfolios zwar zufriedenstellend war, aber der Verzicht auf Stopp-Kurse zu empfindlichen Verlusten führt.

Anders als Wittmer habe ich das Bollinger Band auf den Realtime Indikationen der Deutschen Bank zum Deutschen Aktienindex getestet. Im Test war das System permanent im Markt engagiert. Getestet wurde der Zeitraum vom 01.06.2011 bis 01.08.2012. Wie Wittmer wurde auf einem Stopp-Kurs oder Take-Profit verzichtet. Das Bollinger Band wurde mit den Standardparametern (Kerzen: 20; Standardabweichung: 2) verwendet. Im Gegensatz zum zuvor beschriebenen Ansatz wird im hier erläuterten Ansatz beim Erreichen des oberen Bollinger Bands eine Short-Position und bei Erreichen des unteren Bollinger Bands eine Long-Position eröffnet. Gekauft wird jeweils zur nächsten Kerze.

Eine Kerze besitzt eine Zeiteinheit von 60 Minuten. Der Strategie konnte im ausgewählten Intervall kein Erfolg nachgewiesen werden. Im Gegenteil, denn hätte ein Anleger die Signale getradet, hätte dieser einen Drawdown von über 2000 Prozent verkraften müssen.

Bollinger Bänder-Handelssystem-Endgültig

Die Bollinger Bänder in der Praxis

Im Abschnitt zuvor wurde gezeigt, dass die Bollinger Bänder als isoliertes Handelssystem nur mäßig funktionieren. Für den Anleger stellt dieser Indikator dennoch ein unverzichtbares Werkzeug dar. Die wohl einfachste Anwendung in der Praxis dient der Bestimmung eines Kursziels.

Dabei wird das obere Bollinger Band als Kursziel aktiv, wenn der Wertpapierkurs den gleitenden Durchschnitt von unten nach oben durchstößt. Kreuzt der Kurs das mittlere Bollinger Band von oben nach unten, dann avanciert das untere Bollinger Band zum Kursziel.  Touchiert der Kurs das untere Band, dann gilt er als überverkauft und berührt er das obere der drei Bänder, dann gilt er als überkauft. Es setzt eine Trendumkehr ein.

Bollinger Bänder-Chart-Commerzbank-Kursziel-Durchbruch

Neben der Beurteilung eines Kursziels kann der Indikator auch zur Identifizierung einer Trendwende herangezogen werden.

BIP Vorteil

Wichtig: In starken Auf- oder Abwärtstrends bewegt sich der Kurs zwischen dem oberen oder unteren und dem mittleren Bollinger Band. Als ein erstes Indiz für eine Trendwende kann das Durchkreuzen des mittleren Bands angesehen werden.

Außerdem sollte der Anleger auf eine Verengung der Bollinger Bänder achten. Eine solche Verengung tritt immer dann auf, wenn der Markt in eine Ruhephase übergeht und die Volatilität sinkt. Hier spricht der Trader sprichwörtlich von der Ruhe vor dem Sturm. Über einen Einstieg sollte erst nachgedacht werden, wenn sich der neue Trend abzeichnet.

Für eine Trendwende spricht außerdem die Neigung des gegen den Trend laufende Bollinger Band. Befindet sich der Aktienkurs beispielsweise in einer Aufwärtsbewegung und das untere Bollinger Band beginnt sich gegen den Trend zu nach unten zu neigen, dann deutet das auf ein Ende des Aufwärtstrends hin. Analog zu diesem Beispiel verhält es sich mit dem Abwärtstrend.

Bollinger Bänder-Chart-Commerzbank-Mittlere-Band

Die Bollinger Bänder können neben den bereits besprochenen Interpretationsmöglichkeiten auch zur Quantifizierung von Trends herangezogen werden. Bricht ein Kurs aus dem oberen Bollinger Band aus, dann wird in der Regel der Trend fortgesetzt. Der Abwärtstrend wird bestätigt, wenn das untere Bollinger Band durchstoßen wird.

Bollinger Bänder-Chart-Commerzbank-Ausbruch

Zu Beginn des Abschnitts „Bollinger Bänder“ wurde darauf hingewiesen, dass die meisten Chartprogramme einen Gleitenden Durchschnitt auf Basis von 20 Tagen (Entspricht in etwa den Handelstagen im Monat) und eine Standardabweichung von zwei benutzen.

Die Einstellungen gehen auf Bollinger höchstpersönlich zurück, denn er testete über einen Zeitraum von acht und zehn Jahren folgende Werte: USD/D-Mark, IBM, S&P, Nikkei 225, Gold und Nasdaq. Wenn Sie langfristig einen Aktienchart beurteilen wollen, dann sollten Sie einen 50 Tage Moving Average mit einer Standardabweichung von 2,1 nutzen. Bei kurzfristigen Analysen bieten sich ein gleitender Durchschnitt von 10 und eine Standardabweichung von 1,9 an.

BIP Vorteil

Wichtig: Als Faustregel gilt: Je kürzer der gewählte Zeitraum ist, desto geringer sollte die Standardabweichung sein. Zahlreiche Studien haben bis heute bewiesen, dass die von John Bollinger gewählten Grundeinstellungen die besten sind.

Die Kombination der Bollinger Bänder mit anderen Indikatoren

Die Alpha-Beta-Bänder werden von Charttechnikern gerne in Kombination mit dem MACD oder RSI verwendet. Tritt beim RSI oder MACD eine Divergenz auf, während sich der Aktienkurs am unteren oder oberen Bollinger befindet, deutet dies auf eine Trendwende hin. Von einer Divergenz wird immer dann gesprochen, wenn der Aktienkurs gegensätzlich zur Richtung des Indikators verläuft.

Wird in einem Chart ein neues Hoch erklommen und der MACD bewegt sich zu diesem Zeitpunkt gen Süden, dann wird das vom Analysten als Divergenz bezeichnet. Eine detaillierte Abhandlung zur Divergenzanalyse finden Sie im Teilabschnitt zum Moving Average Convergence/Divergence, kurz MACD.

 

„Kein Beruf erfordert mehr harte Arbeit, Intelligenz, Geduld und geistige Disziplin als erfolgreiche Spekulation.“ Robert Rhea


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