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Aufsteigendes Dreieck

Aufsteigendes-Dreieck

Das aufsteigende Dreieck stellt eine Variation des zuvor behandelten symmetrischen Dreiecks dar. In der englischsprachigen Literatur wird von einem „Ascending Triangle“ gesprochen. Im Gegensatz zum symmetrischen Dreieck lässt sich die Ausbruchsrichtung beim steigenden Dreieck vorhersagen, denn die Unterart der Rechtwinkligen Dreiecke gehört zu den Fortsetzungsformationen und tritt überwiegend in Aufwärtstrends auf.

aufsteigendes dreieck

Die Entstehung eines solchen Dreiecks ist einfach erklärt und gibt dabei erste Informationen über die Einstellung der Markteilnehmer preis. In der Grafik ist das Chartbild auf Tagesbasis von der Infineon Technologie AG abgebildet.  Infolge der Finanzkrise und des anhaltenden Preisverfalls für Produkte aus der Halbleiterbranche fiel der Kurs der Aktiengesellschaft 2009 auf unter einen Euro pro Share. Als die Tochtergesellschaft Qimonda mit über 13.000 Mitarbeitern Anfang 2009 in die Insolvenz ging, gipfelte das bei dem Aktienkurs von Infineon in einem neuen Tiefstkurs von unter 40 Cent pro Anteilsschein. Als die Lage sich wieder entspannte und die Angst um eine drohende Pleite von Infineon in Hoffnung und Vernunft überging, stieg der Kurs stark an. Ich persönlich bin damals zu 60 Cent je Aktie in den Wert eingestiegen und vielleicht tat es mir zu dieser Zeit ein institutioneller Anleger, beispielweise ein Fonds gleich.

In den nächsten Wochen stieg der Kurs im Mai 2009 bis auf 2,75 Euro an. Zu diesem Hochpunkt möchte sich der Fonds von seinem Aktienpaket trennen und gibt den Verkauf in Auftrag. Der geplante „Sell“ kann nur Schritt für Schritt erfolgen, da dem neuen Angebot nicht genug Käufer gegenüberstehen und das hätte einen dramatischen Kursverfall zur Folge. Wie geplant werden die ersten Anteile zu 2,75 Euro verkauft und der Kurs sinkt bis auf 1,83 Euro. An diesem Punkt erscheint die Aktie vielen Anlegern wieder billig und deshalb steigen sie ein oder stocken ihre Position auf. Der Kurs fängt wieder an zu steigen. Das nächste Hoch wird am zwölften Juni erreicht und der Fonds verkauft erneut einen Teil seiner Position. Der Kaufdruck nimmt ab und erreicht zwei Wochen später ein neues relatives Tief, welches über dem Vorgängertief liegt. Das setzt sich bis zum Ausbruch nach oben fort, wenn der institutionelle Anleger seine Position komplett abgebaut hat.

Wegen der Vorgehensweise des fiktiv geschaffenen Fonds wurde die Aufwärtsbewegung durch einen Konsolidierungsprozess unterbrochen. Die Käuferseite konnte Kräfte sammeln und wagte am 13. Juli einen Ausbruchsversuch. Innerhalb der Formation ist das Volumen gesunken und als es zum Ausbruch nach oben kam, stieg es stark an. Nachdem Ausbruch stieg der Kurs kurz an, um dann erneut auf den damaligen Widerstand des Dreiecks und der jetzigen Unterstützung zurückzufallen. Als die Aufwärtsbewegung fortgesetzt wurde, kam es zum größten Volumenanstieg im Chart.

BIP Vorteil

Wichtig: Das angeführte Beispiel belegt, dass in der Nähe des Widerstands ein Pool von Anlegern und Insidergruppen größere Aktienpakete verkaufen und somit den vorhandenen Käuferdruck absorbieren.

Anleger die in der Nähe des Widerstands verkaufen, müssen der Meinung sein, dass der Kurs des Unternehmens nicht weiter steigt. Robert D. Edwards und John Magee schreiben in ihrem Buch „Technische Analyse von Aktientrends“, dass die Chancen auf steigende Kurse 9:1 zugunsten des Käufers stehen. Stehen allerdings dem Verkaufsdruck nicht permanent Käufer gegenüber, droht die Formation einzustürzen. Aus dem aufsteigenden Dreieck wird dann ein Trendkanal oder Rechteck.

Das aufsteigende Dreieck als Handelssystem

In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse von Thomas N. Bulkowski aufbereitet und dargestellt. Es wird dabei auf die gleiche Datenbasis wie beim symmetrischen Dreieck zurückgegriffen.

Für Bulkowski gehört das aufsteigende Dreieck zu den Formationen mit den besten Prognoseeigenschaften. Aus diesem Grund gehört es zu seinen Lieblingsformationen.

Aufsteigendes Dreieck Performance

Im getesteten Zeitraum von 1991 bis 1996 entsprachen nur 725 Formationen den Kriterien eines aufsteigenden Dreiecks. Davon gingen 196 oder 27 Prozent nach einer Aufwärtsbewegung in eine Konsolidierungsphase über um anschließend eine Abwärtsbewegung einzuleiten.

BIP Vorteil

Wichtig: Zwei Prozent der Ausbrüche auf Schlusskursbasis konnten in den nächsten Tagen keine Kurssteigerung von mindestens fünf Prozent erreichen. Die Fehlerquote ist sehr gering.

Der durchschnittliche Gewinn lag im Testzeitraum bei 44 Prozent und liegt damit oberhalb der durchschnittlichen Performance eines symmetrischen Dreiecks. Am wahrscheinlichsten war ein Kursanstieg von zwanzig Prozent.

Bei einem Ausbruch nach unten fiel der Kurs im Durchschnitt um 21 Prozent.  Fünfzig Prozent der Ausbrüche nach oben erreichten mindestens eine Kursperformance von vierzig Prozent. Im Vergleich zum symmetrischen Dreieck (Dreieck Böden: 13% und Dreieck Tops: 9%) stiegen beim aufsteigenden Dreieck 17 Prozent der Ausbrüche um mehr als neunzig Prozent.

Aufsteigendes Dreieck Gewinn Häufigkeit

Insgesamt erreichten 439 der 529 Formationen, die nach Ausbruch eine Fortsetzung einleiteten das Kursziel. Der hohe prozentuale Wert ist bemerkenswert, allerdings nicht im positiven Sinne, denn die durchschnittliche Formationshöhe des aufsteigenden Dreiecks betrug lediglich zehn Prozent.

Aufsteigendes Dreieck Ausbruch

In 62 Prozent der Fälle brach der Kurs aus dem Pattern nach oben aus. Ein Drittel der Ausbrüche fanden nach unten statt. Als Trader ist davon abzuraten, innerhalb des Dreiecks einzusteigen. Wird der Ausbruch nach oben auf Schlusskurs abgewartet, beträgt die Fehlerquote nur noch zwei Prozent. Das Chancen-Risiko-Verhältnis entwickelt sich deutlich zugunsten des Händlers. Der Stopp-Kurs kann unterhalb der ehemaligen Widerstandslinie des Dreiecks gelegt werden.

Das setzen eines Stopp-Loss erweist sich beim aufsteigenden Dreieck als sehr hilfreich, denn bei der Formation finden verhältnismäßig viele vorzeitige Ausbrüche statt. Bei einem Viertel der aufgetretenen Chartmuster kam es zu einem Fehlausbruch. Besonders tückisch dabei sind die ansteigenden Umsätze. Es sollte sich schlussendlich nicht nur auf den Umsatzanstieg zur Verifizierung eines echten Kaufsignals verlassen werden. Die Hinzunahme von Indikatoren zur Feinjustierung ist anzuraten.

Aufsteigendes Dreieck Dauer bis zum Hoch Häufigkeit

Im Durchschnitt dauerte es 186 Tage oder sechs Monate bis das ultimative Hoch erreicht wurde. Die genaue Aufschlüsslung der Daten wird in der vorangegangenen Grafik dargestellt. 35 Prozent der erfolgreichen Ausbrüche erreichten nach mehr als sechs Monaten das höchste Hoch. Im eingangs durchgeführten Beispiel mit der Aktie von Infineon dauerte das Erreichen des Hochs ebenfalls länger als sechs Monate.

In 58 von 100 Fällen kommt es nach einem erfolgreichen Ausbruch zu einem Throwback, der Kurs fällt nochmal auf den ehemaligen Widerstand zurück. Durchschnittlich dauerte das 15 Tage. Im Beispiel von Infineon kam es zu einem Throwback, welcher nach mehr als 10 Tagen fertiggestellt wurde. Bei einem Ausbruch nach unten liefen 49 Prozent der Kurse wieder zurück an die Bottom-Line des Dreiecks. Daraus lässt sich keine logische Schlussfolgerung für den Trader ziehen, denn der Wert liegt in der Nähe des Zufalls.

Aufsteigendes Dreieck Umsätze

In fast siebzig Prozent der aufgetretenen steigenden Dreiecke ist innerhalb der Formation der Umsatz gefallen. Beim Ausbruch stieg der Umsatz um 130 Prozent gegenüber dem 25-Tage-Durchschnitt. Am Folgetag war der Umsatzanstieg mit 176 Prozent am größten. Bulkowski erklärt den Anstieg damit, dass die meisten Trader erst am Tag nach dem Ausbruch auf den Breakout aufmerksam werden und in den Wert einsteigen. Ausbrüche die unter hohen Umsätzen stattfanden, konnten keine höhere Rendite erwirtschaften. Hohe Umsätze definierte Bulkowski als Anstiege um 50 Prozent gegenüber dem Durchschnitt.

BIP Wichtig

Wichtig: Nachdem die statistischen Ergebnisse von Thomas Bulkowski ausführlich behandelt wurden, wird im nächsten Abschnitt ein weiteres Beispiel zum aufsteigenden Dreieck betrachtet. Im Detail soll dabei auf mögliche Fehler hingewiesen werden.

Das aufsteigende Dreieck in der Praxis

Bei jeder Formation kann der Chartist Fehler machen und aus diesem Grund soll in diesem Abschnitt darauf etwas genauer eingegangen werden. Häufig glaubt man als Trader eine Formation identifiziert zu haben, tatsächlich handelt es sich aber um ein ganz anderes Muster. Am Chart von SMA Solar sollen einige Fehler aufgezeigt werden.

Aufsteigendes Dreieck-Chart-SMA

Ende 2008/ Anfang 2009 erreichten zahlreiche Solarmodul-Hersteller und Zulieferer neue Kurstiefs. Die Konkurrenz aus China, die durch Subventionen künstlich stimulierte Nachfrage und die Finanzkrise zwangen viele deutsche Unternehmen aus der Solarindustrie in die Knie.

Für die Aktie von SMA-Solar ging es Anfang April 2009 wieder bergauf und von Mai 2009 bis Mitte September bildete sich eine Trading-Range heraus. Der Kurs konsolidierte innerhalb des Korridors und brach Mitte September unter steigenden Volumen nach oben aus.  Bis Mitte Oktober 2009 bewegte sich der Kurs in einem neuen Rechteck zwischen 63,66 Euro und 70,39 Euro. Am 16. Oktober fand ein Fehlausbruch nach unten bis auf 55,65 Euro statt. Ein Trader könnte zu diesem Zeitpunkt auf die Idee kommen, dass wenn er das Tief von Anfang September mit dem Tief von Mitte Oktober verbindet die Bottom-Linie eines aufsteigenden Dreiecks erhält. Den Widerstand würde in diesem Fall die obere Begrenzung des Trendkanals bilden. Der Blick in den Chart verrät aber, dass es sich nicht um ein aufsteigendes Dreieck handelt, denn die Kursbewegungen finden ausschließlich in der angesprochenen Trading-Range statt. Dieser Bereich ist im Chart grün markiert. Unterhalb von 63,66 Euro befindet sich lediglich der Fehlausbruch.

BIP Wichtig

Wichtig: Interessant am Fehlausbruch ist, dass der Verkaufsdruck umgehend vom Kaufdruck absorbiert wurde und der Kurs somit den Weg in das Rechteck schaffte. Anleger sollten also darauf achten, dass die Kerzen/Balken/Linien ungefähr gleichmäßig im Muster verteilt sind und es nicht zu große Freiflächen gibt.

Die Vorgehensweise zur Bestimmung eines Kursziels entspricht der des symmetrischen Dreiecks. Zur Veranschaulichung wird das Kursziel anhand des Eingangsbeispiels von Infineon bestimmt.

Im ersten Schritt wird die Strecke AB im Chartbild eingezeichnet. Im nächsten Schritt wird die Strecke auf den Ausbruchspunkt C projiziert.

Aufsteigendes Dreieck-Chart-Infineon-Kursziel

Im Beispiel von Infineon ergibt sich ein Kursziel von 3,845 Euro und dieses wurde am neunten September 2009 erreicht. Das hier abgebildete steigende Dreieck ist nicht idealtypisch. Der Fehlausbruch am 13. Juli hätte fast das Kursziel erreicht. Mit Hilfe von Indikatoren hätte man den Breakout als Fehlausbruch identifizieren können.

In Monatscharts sollten keine Formationen eingezeichnet werden, denn die Kursdaten liegen soweit zurück, dass sie keine Bedeutung für künftige Bewegungen haben. Anleger sollten aufsteigenden Dreiecken auf Basis von Monatscharts keine Beachtung schenken.

Im nächsten Kapitel wird das fallende Dreieck ausführlich behandelt und macht damit die Reihe der Dreiecke komplett.

 

„Volatilität ist an Umkehrpunkten am größten und sie reduziert sich, wenn sich ein neuer Trend herausbildet.“ George Soros


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