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Analyse: Die Aurelius Aktie im Detail

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Beteiligungsgesellschaften gelten im Allgemeinen als relativ krisensicher. Durch ihre Diversifikation können verschiedene Branchen und Geschäftsmodelle abgebildet werden. Als Vorbild der meisten Beteiligungsgesellschaften dient sicherlich Berkshire Hathaway von Investment-Legende Warren Buffet.

Noch vor 1 – 2 Jahren gab es auch eine „deutsche Berkshire Hathaway“, zumindest wurde sie oftmals so genannt: die Aurelius Equity Opportunities KGaA. Die Aurelius Aktie gehörte in den letzten Wochen und Monaten durchgehend zu den größten Verlierern am Markt. Grund genug, für eine Analyse der Aktie im Bezug auf die Chancen und Risiken.

Das Geschäftsmodell von Aurelius im Detail

Aurelius ist eine Beteiligungsgesellschaft aus dem bayerischen Grünwald bei München. Grünwald ist nicht umsonst ein beliebter Sitz für internationale Unternehmen, immerhin hat die reihe Gemeinde den deutschlandweit niedrigsten Hebesatz für die Gewerbesteuer. Aktuell ist die Kommune Grünwald für knapp 0,6 % der gesamten Gewerbesteuer in ganz Deutschland verantwortlich.

Aurelius wurde vom in Regensburg geborenen Manager Dirk Markus gegründet. Aus dem Startkapital von 500.000 € machte der ehemalige Berater ein internationales Unternehmen mit Büros auf der ganzen Welt. Der Fokus liegt dabei auf der Restrukturierung von angeschlagenen Unternehmen. Als Turn-Around-Sanierer kauft Aurelius Unternehmen auf, bringt diese auf einen Wachstumskurs und veräußert sie gewinnbringend.

Im Portfolio von Aurelius befinden sich in erster Linie Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Konsumgüter, Telekommunikation, Chemie und Business-Dienstleistungen. Die bekanntesten Investments dürften wohl HanseYachts, Scholl, Office Depot und ideal Shopping Direct sein.

Die Entwicklung der Aurelius Aktie

Aurelius gehörte lange Zeit zu den Lieblingen von deutschen Anlegern im Bereich der Dividenden- und Wachstumsstrategie. Jahrelange Gewinnserien, sowie eine überaus aktionärsfreundliche Dividendenpolitik brachten Aurelius einen guten Ruf ein. Der Cut kam im Jahr 2017, als bei einem Kurs von rund 67 € pro Aktie der Hedgefonds „Gotham City Research“ Studien veröffentlichte, die Hinweise auf Bilanzmanipulationen bei Aurelius lieferten.

Im Folgenden sackte der Aktienkurs auf rund 35 € ein. Nach einer Serie von Erholungen bis Mitte 2018, in der sich die Aktie wieder auf 65 € erholen konnte, wurde Aurelius immer wieder Ziel von Short-Sellern. Seit Mai 2018 befindet sich Aurelius im Sturzflug und hat den zugehörigen Kurs von rund 65 € auf aktuell knapp über 12 € abstürzen lassen.

Viele der Vorwürfe der Short-Seller haben sich inzwischen als falsch erwiesen. Auch hat die BaFin vor dubiosen Veröffentlichungen bezüglich Aurelius durch Short-Seller gewarnt. Das Management um Dirk Markus gibt sich aggressiv und führt juristische Auseinandersetzungen mit praktisch allen Short-Sellern.

Die Fundamentaldaten von Aurelius im Detail

In unserem Börsenportal haben wir die Aurelius Aktie in die Datenbank mit aufgenommen. Hier finden Sie wichtige Infos und Kennzahlen für eine Fundamentalanalyse der Aurelius Aktie.

Aktuell wird Aurelius mit einem KBV / Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 0,82 gehandelt. Das bedeutet, dass eine Aktie aktuell weniger wert ist, als das Unternehmen eigentlich bilanziell wert sein müsste. Eine solche Unterbewertung kann ein Kaufsignal sein. Ein KBV von weniger als 1 bedeutet, dass Aktionäre das Unternehmen als weniger wert ansehen, als es laut eigener Bilanz sein müsste.

Die Dividendenrendite liegt aktuell bei etwa 12,5 %. Dabei setzt sich die Aurelius Dividende aus einer Basisdividende (aktuell 1,50 €) und einer sogenannten Partizipationsdividende zusammen. Letztere ist variabel und hängt von Exits der Gesellschaft ab. Durch den Verkauf der Solidus-Gruppe im Jahr 2019 (Gewinn rund 100.000.000 €) für etwa 330.000.000 € konnte eine Partizipationsdividende von ebenfalls 1,50 € ausgeschüttet werden.

Aktuell bleibt Aurelius auf Grund der schwachen Wirtschaftslage kaum eine Möglichkeit für gewinnbringende Verkäufe. Ob eine Partizipationsdividende auch im kommenden Jahr ausgeschüttet wird, bleibt abzuwarten. Auch die Basisdividende sollte grundsätzlich zwar ausgeschüttet werden, auf Grund des stark gesunkenen Aktienwerts ist jedoch auch hier eine Kürzung zumindest möglich.

In der Zwischenmitteilung für das 3. Quartal 2019 gab Aurelius eine Verfünffachung des EBITDA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 187 Millionen € an. Der positive Ausblick dürfte sich durch die Corona-Krise jedoch vorerst erledigt haben. Am 17.03.2020 wies Aurelius in einer Pressemitteilung explizit auf die Gefahren für einzelne Tochterunternehmen hin – weitere Infos werden jedoch bereits am 31.03. im Rahmen des Geschäftsberichts erwartet.

Chancen und Risiken für die Aurelius Aktie

Aurelius ist eine Gesellschaft, die über Jahre hinweg gezeigt hat, dass sie in der Lage ist, angeschlagene Unternehmen zu kaufen, neu auszurichten und mit Gewinn wieder zu veräußern. Das Team um Dr. Dirk Markus hat nicht nur interdisziplinäre Erfahrung im Management und der Neuausrichtung der Konzerntöchter, sondern kann auf eine gute Erfolgsserie an Käufen und Verkäufen zurückblicken.

Für langfristige Anleger ist vor allem die Dividendenpolitik von Aurelius ein großer Pluspunkt. Von einer soliden Dividende – wenn auch mit möglichen Unterbrechungen durch die aktuelle weltpolitische Lage – ist immer noch auszugehen. Im Falle von neuen Exits lockt zudem eine Partizipationsdividende.

Die Aktie wird aktuell unter dem Buchwert gehandelt. Eine Anpassung des Buchwerts erfolgt mit Vorlage des Geschäftsberichts am 31.03.2020. Die Corona-Krise macht es Aurelius jedoch aktuell deutlich einfacher, günstige Unternehmen als mögliche Übernahmekandidaten zu identifizieren und preiswert zu übernehmen.

Andererseits bleiben bei Aurelius einige Risiken bestehen. Nach wie vor ist das Unternehmen immer wieder Ziel von Short-Seller Attacken. Auch das schwierige weltwirtschaftliche Umfeld dürfte es dem Unternehmen schwer machen, in naher Zukunft größere Exits erfolgreich abzuschließen. Zudem bleiben Unsicherheiten bezüglich einiger Tochterunternehmen, ob diese durch das Corona-Virus ihre Zahlen halten können.

Auch die Chart-Technik spricht aktuell gegen einen kurzfristigen Einstieg bei Aurelius. Der Abwärtstrend ist noch in vollem Gange und selbst kurze Erholungen können die Aktie nicht nachhaltig einer Bodenbildung zuführen.

Interessierte Anleger bleiben zunächst an der Seitenlinie und warten in jedem Falle den 31.03.2020 ab. Sobald der Kurs nachhaltig einen Boden gefunden hat, können erste Tranchen gekauft werden. Insbesondere für Anleger mit einem sehr langen Anlagehorizont ist Aurelius einer der Top-Picks aus Deutschland aktuell – kurzfristige Risiken und Schwankungen spielen bei einer langen Haltedauer eine untergeordnete Rolle und die hohe Dividende ist ein gewichtiger Pluspunkt.

Hinweis: Diese Analyse stellt keine Anlageempfehlung dar. Der Autor ist in Aurelius investiert.


Kommentare

Oskar Fach Mai 6, 2020 um 8:11 am

Hallo,
es sieht leider nicht gut aus für Aurelius. Der Brexit, Corona und die extrem hohen Boni und Gehälter der Vorstände sowie die hohen Pensionszusagen an aktive führende Mitglieder der Geschäftsleitung, saugen das Unternehmen aus. Die Verschuldung steigt und ob die AG weitergeführt wird, lasse ich mal offen. Die Aktie ist ein Trauerspiel und hat ihr Ansehen total verloren. Die Aktionäre gehen dabei leer aus und bleiben teils auf hohe Verluste sitzen.
Meiner Meinung nach, schlimmer gehts nimmer!

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