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Aktienmarkt – Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Aktienmarkt-–-Das-Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (Price-Earnings-Ratio) stellt eine der am häufigsten verwendeten Kennzahlen der fundamentalen Analyse dar. Viele Trader interpretieren das Ergebnis der Kennzahl nicht richtig und treffen somit falsche Anlageentscheidungen.

Eine Möglichkeit das KGV eines Unternehmens zu berechnen lautet: Der Kurs einer Aktie wird durch den Gewinn einer Aktie geteilt. Eine andere Möglichkeit die Kennzahl zu ermitteln besteht darin, die Marktkapitalisierung des betrachteten Unternehmens durch den Gewinn zu dividieren. Sofern nachvollziehbare Daten zum zu erwartenden Gewinn verfügbar sind, sollte dieser herangezogen werden. Schließlich sind im Aktienkurs stets zukünftige Erwartungen eingepreist.

KGV KGV Formel

Das KGV gibt an, wie oft der Gewinn je Aktie im Kurs enthalten ist. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von beispielsweise fünf bedeutet aber auch, dass sich die Investition bei konstanten Gewinnen nach fünf Jahren amortisiert hat.

Allgemeinhin gilt, dass ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf ein unterbewertetes und ein hohes KGV auf ein überbewertetes Unternehmen hindeuten. Einer überbewerteten Firma (Growth-Unternehmen) trauen die Aktionäre im Vergleich zum unterbewerteten Unternehmen (Value-Unternehmen) überdurchschnittliches Wachstum zu.

Welche der beiden Strategien mehr Erfolg verspricht, wird im nächsten Abschnitt geklärt:

Beispielfirma A ist ein klassisches Growth-Unternehmen und steigert jedes Jahr den Gewinn um 40 Prozent.

Beispielfirma B gilt als Value Unternehmen und steigert den Gewinn nur um 5 Prozent pro Jahr.

Firma A ist aus der heutigen Perspektive teuer bewertet, verspricht in den nächsten Jahren aber steigende Gewinne.

Anders ist es bei Unternehmen B. Es ist günstiger bewertet, bietet in Zukunft jedoch keine hohen Gewinnsteigerungsraten.

Folglich ist die Einstandsrendite bei stark wachsenden Unternehmen geringer, als bei Value-Unternehmen.

KGV Einstandsrendite Formel

Bei einer Aktie mit einem KGV von 15 beträgt die Einstandsrendite sechs Prozent. Das Kapital wird theoretisch mit sechs Prozent per annum verzinst. Wählt der Trader als Berechnungsgrundlage das vergangenheitsorientierte trailing KGV (Gewinn vom letzten Jahr wird verwendet) und nicht das zukunftsorientierte forward KGV (Gewinnprognosen zum laufenden Jahr werden genutzt), dann sagt die Einstandsrendite um wie viel Prozent das Unternehmen im abgelaufenen Jahr gewachsen ist.

Das KGV als Investmentstrategie

Die Wissenschaft beschäftigte sich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit dem KGV als Investmentstrategie und führte dazu viele Studien durch. Die Studie von James P.O`Shaughnessy und deren Ergebnisse möchte ich in diesem Abschnitt etwas genauer behandeln. Die Erkenntnisse anderer Wissenschaftler sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben und werden prägnant erläutert.

O`Shaughnessy gilt als renommierter Autor und seine empirischen Studien zu den verschiedenen Anlagestrategien werden häufig von angesehenen Verlagshäusern zitiert.

Er untersuchte im Zeitraum von 1952 bis 1996 Aktien in Abhängigkeit von ihrer Marktkapitalisierung und ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis.

James P.O`Shaughnessy unterschied in seiner Studie zwischen zwei Gruppen. Die Gruppe „Alle Aktien“ umfasste alle an der New York Stock Exchange gehandelten Unternehmen mit einer inflationsbereinigten Marktkapitalisierung von über 150 Millionen US-Dollar. Die andere Gruppe hieß „große Aktien“ und setzte sich aus den fünfzig größten Unternehmen, gemessen an der Marktkapitalisierung aus der Gruppe „Alle Aktien“ zusammen.

BIP Vorteil

Wichtig: Die Auswertung der Studie ergab, dass ein konsequentes Kaufen von Titeln mit einem geringen Kurs-Gewinn-Verhältnis und einer hohen Marktkapitalisierung für den Anleger am gewinnträchtigsten war.

Ein Anleger, der in die Aktien mit den geringsten KGV aus der Gruppe „Alle Aktien“ investiert hätte, hätte im Zeitraum 1952 bis 1996 eine durchschnittliche Rendite von 15,41 Prozent erwirtschaftet. Die Gesamtrendite der Gruppe „Alle Aktien“ lag bei 14,97 Prozent.

Der Investor hätte mit dieser Strategie den Markt um 0,44 Prozentpunkte geschlagen.

Wenn der Anleger in die Aktien investiert hätte, die das niedrigste KGV aus der Gruppe der „großen Aktien“ aufwiesen, dann hätte das Portfolio die Gruppe „Alle Aktien“ um 1,1 Prozent geschlagen.

KCV KCV Strategie

Vorangegangene und Nachfolgende Studien sind zum gleichen Ergebnis wie James P.O`Shaughnessy gekommen. Nicholson untersuchte zwischen 1939 und 1959 die Performance von Unternehmen in Abhängigkeit vom KGV.

KGV Rendite in Abhängigkeit vom KGV

Ein Portfolio, welches aus den zwanzig am günstigsten bewerteten Aktien bestand, erwirtschaftete in einer Zeitspanne von zwanzig Jahren eine durchschnittliche Rendite von 13,5 Prozent. Das Growth-Portfolio erwirtschaftete im gleichen Zeitraum eine jährliche Rendite von 7,4 Prozent und lag damit nur knapp hinter der Performance des Gesamtmarktes.

Fama und French konnten 1996 ebenfalls höhere Renditen für Investments in Aktien mit geringen KGVs nachweisen.

Das KGV in der Praxis

Die Anwendung des Kurs-Gewinn-Verhältnis in der Praxis erweist sich als schwierig, da für diese Kennzahl keine klaren Regeln gelten. Trotzdem möchte ich Ihnen ein paar Erfahrungswerte zur Orientierung mit auf den Weg geben:

1.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie muss immer mit anderen KGVs aus der Branche verglichen werden.

2.

Zur Beurteilung eines Investments sollten auch andere Kennzahlen herangezogen werden.

3.

Ein KGV von unter 10 gilt als kaufenswert.

4.

Ein KGV zwischen 10 und 15 gilt als preiswert und kaufenswert.

5.

Ein KGV zwischen 15 und 20 gilt als fair und kaufenswert.

6.

Ein KGV von über 20 gilt als teuer. Der Herdentrieb und die Gier der Aktionäre von Best Buy führte dazu, dass das Unternehmen 1997 auf ein KGV von 712 kam. Der ehemalige Internetriese Yahoo brachte es 1999 auf ein KGV von 4.921. Unternehmen mit sehr hohem KGV sollten gemieden werden

7.

Niedrige KGVs bei Werten mit einer hohen Marktkapitalisierung sind gewinnbringend. Es sollten kapitalisierte Werte aus den Indizes bevorzugt werden.

8.

Wachstumsunternehmen weisen höhere KGVs als langsam wachsende Unternehmen auf: Softwareunternehmen besitzen meistens ein höheres KGV als Banken.

9.

Versorger weisen niedrigere KGVs als Auto- und Stahlwerte auf (Zyklische Unternehmen). Ein niedriges KGV bei einem Zykliker weist auf ein Ende der florierenden Phase hin. Lassen Sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht von den Einnahmen des Unternehmens täuschen, diese werden anschließend auch zurückgehen.

10.

Unternehmen aus dem deutschen Aktienindex besitzen ein historisches KGV von 12 (Stand November 2018). Das tagesaktuelle DAX-KGV kann hier eingesehen werden: https://goo.gl/dcnTgJ

11.

Das KGV eignet sich nicht zur Beurteilung von Unternehmen in einer Turn-Around-Situation. Erst eine konstante Gewinnentwicklung lässt valide Aussagen über das KGV zu.

12.

Neben dem KGV sollte der Verschuldungsgrad in die fundamentale Analyse einbezogen werden. Unternehmen mit einem höheren Verschuldungsgrad, als vergleichbare Firmen aus derselben Branche müssen ein niedrigeres KGV aufweisen. Eine hohe Verschuldung impliziert hohe Zinszahlungen. Das schmälert den Gewinn.

13.

Einige Unternehmen haben eine starke Marktposition inne, beispielsweise Coca Cola oder der Alphabet Konzern. Für den Anleger ergeben sich daraus verlässliche Gewinne, weshalb solche Firmen oftmals eine höhere Bewertung erreichen.

14.

Als der mittlerweile verstorbene Steve Jobs 1995 wieder die Zügel bei dem von ihm gegründeten Computerriesen Apple in die Hand nahm, erholte sich binnen der nächsten Jahre der Aktienkurs, bis er dann ab 2004 kein Halten mehr kannte. Verlassen die Visionäre das Unternehmen steigt das Risiko einer operativen Beeinträchtigung. Gut geführte Unternehmen rechtfertigen aus diesem Grund einen Aufschlag.

Chart: Apple hat die Musik- und Smartphonebranche revolutioniert. Der technologische Vorsprung von Apple rechtfertigte eine Kursrallye. Heute ist vom ehemaligen disruptiven Geschäftsmodell mit dem iPhone nicht mehr viel übrig. Die Konkurrenz hat längst die technologische Lücke geschlossen. Weitere Kurssteigerungen sind auf die neuen Geschäftszweige und Produkte zurückzuführen. Bildquelle: finance.yahoo.com, Abgerufen am 11.11.2018

Der Anleger sollte sich stets ins Gewissen rufen, dass Unternehmen bei der Ermittlung des Gewinns große Freiheiten genießen. Aus diesem Grund sollte der Anleger in der entsprechenden Ad-Hoc-Meldung zum Quartals- oder Jahresbericht auf die Bilanzierungsmethoden achten.

Das KGV: Die Beispiel AG

Die durchschnittliche Anzahl an Aktien der Beispiel AG beläuft sich im Jahr 2020 auf 50 Millionen Stück. Für das Jahr 2020 wird ein Gewinn von 25 Millionen Euro erwartet.

Daraus lässt sich ein Gewinn pro Aktie von 50 Cent errechnen (25/50). Der aktuelle Kurs der Aktie liegt bei fünf Euro.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Beispiel AG liegt demzufolge bei zehn (5/0,5).

Die Beispiel AG wird mit dem zehnfachen ihres Jahresgewinns bewertet. Die Aktie gilt als kaufenswert, wenn das forward KGV im Branchenvergleich niedrig ausfällt. Im Beispiel wurde eine Gewinnschätzung verwendet. Fragen Sie sich immer, wie plausibel die Gewinnschätzung ist und wann diese zuletzt angepasst wurde.

Hilfreiche forward KGV-Heatmap: https://goo.gl/QvEQph

„Dem Shiller-KGV wurde nicht die Aufgabe zugedacht, den exakten Kauf- und Verkaufspunkt vorauszusagen.“ Robert Shiller


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